Restauranttest

Basil & Mars: Schick, verspielt, lecker – Mittagstisch im Test

Basil & Mars • Alsterufer 1 • 20354 Hamburg (www)

Jeden morgen fahre ich am Basil & Mars vorbei und dennoch ist es mir noch nie richtig aufgefallen. Das Restaurant liegt direkt an einer der wohl meistbefahrenen Straßen Hamburgs mit Blick auf die S-Bahn und wirkt von außen etwas kühl und distanziert – mit großen getönten Scheiben, auf denen sich die Betreiber auf Englisch für ihr schlechtes Französisch entschuldigen („#excuseourfrench“). Entschuldigung akzeptiert, ich kann ohnehin kein Französisch und ein französisches Restaurant ist das Basil & Mars doch gar nicht… oder doch?

Location

Das recht frisch neu eröffnete Basil & Mars liegt direkt am Alsterufer neben dem neuen Restaurant „Die Gute Botschaft“ von Tim Mälzer. Wie auch das Tim Mälzer Restaurant ist auch das Basil & Mars Teil des neuen Konzepts dieser Ecke von Rotherbaum (mehr dazu beim Hamburger Abendblatt). Ist man erst mal drinnen, geht’s freundlich und loungig zu. Dank der großen Scheiben, die den Verkehrslärm gut draußen halten, kann man den fließenden Verkehr und die S-Bahnen gut beobachten, wirklich toll ist die Aussicht aber nicht. Die Lage irgendwo zwischen Innenstadt und dem Kern von Rotherbaum vermittelt weder troubeliges Innenstadt-Feeling noch gediegenes und ruhiges Rotherbaum-Flair, obwohl man sich mit dem Konzept wohl an die betuchten Bewohner von Rotherbaum richtet.

Obwohl das Basil & Mars von außen eher kühl und modern wirkt, wirkt es innen zwar aufgeräumt und klar, aber auch verspielt und detailreich. Die offene Küche lädt zum Zuschauen ein und ein leuchtender, etwas krakeliger Schriftzug, den Redakteur Michael Allmaier von der Zeit offenbar nicht entschlüsseln konnte, erinnert uns an die Vergänglichkeit („This might all be gone tomorrow“). Mittags war kurz vorm Jahreswechsel nicht viel los. Mit fünf Personen konnten wir schnell einen Platz auf äußerst bequemen Stühlen direkt am Fenster bekommen. Dort stehen die schicken Old-Fashioned Gläser von Spiegelau & Nachtmann*, die ich selbst Zuhause habe auf kleinen, klassischen Tellern. Die scheinen sogar wirklich alt zu sein und nicht bloß auf alt gemacht. Die Karte wird auf einem übertrieben großen Brettern gebracht, die mehr als unhandlich sind, aber auf den großen Tisch passen.

Service

An zu wenig Personal mangelt es dem Basil & Mars nicht. Zur Mittagszeit war geschätzt fast mehr Personal da als Gäste. Dementsprechend war die Versorgung auch sehr gut, freundlich und unangestrengt. Besondere Sonderwünsche hatten wir allerdings auch nicht und wir brauchten zur Mittagszeit auch keine außergewöhnliche Beratung, z. B. zu passenden Weinen oder dergleichen. Der Eindruck, den ich vom Mittagstisch mitgenommen habe, ist aber durchweg gut gewesen. Ich traue dem Service vom Basil & Mars das auch aber ohne Weiteres zu.

Essen & Getränke

Das Mittagskonzept ist recht einfach: 15,- € kostet ein Zwei-Gänge Menü inkl. Wasser, das immer wieder aufgefüllt wird. Eine zusätzliche (optionale) Nachspeise kostet 3,- €. Die Mittagskarte wechselt wöchentlich. Aufgrund der sonst recht hohen Preise macht es auch Sinn, das Angebot in Anspruch zu nehmen. Allein der Hauptgang, den ich genommen habe, soll 12,5 € kosten, wohlgemerkt ohne Vorspeise und ohne Wasser. Die Preise mittags scheinen so angelegt zu sein, dass andere Varianten neben dem „Lunchbrett“ nicht besonders lohnenswert sind.

Nach der Bestellung kommt recht zügig Brot in zwei Varianten, das mit Öl und Salz gegessen werden kann. Wir hatten ein Mischbrot und ein helles Brot. Unspektakulär, aber durchaus lecker! Als Vorspeise gibt es rohen Lachs auf einem Fenchel-Orangensalat-Bett. Mit Lachs wird nicht gespart und der Fenchel-Salat, der auch gern mal recht streng geraten kann, ist angenehm zurückhaltend. Dazu gesellen sich leichte Zitrusnoten. Wenngleich die Vorspeise geschmacklich nicht besonders komplex gerät, ist diese handwerklich gut gemacht und schmeckt gut. Das Hauptgericht ist auch bodenständig: Es gibt Königsberger-Klopse mit Kartoffel-Möhren Stampf (auf der Karte steht „Wurzelgemüse“) mit einigen Kapern in einer lecker angemachten, leicht geschäumten Sauce. Auch hier ist Portion vernünftig und der Geschmack sehr gut. Französische Küche bietet das Basil & Mars damit nicht, wie man zuerst hätte vermuten können, eher ein Crossover hoher Qualität.

Fazit zum Test

Das Basil & Mars lockt mit schickem Ambiente, der Lage und vergleichsweise hohen Preisen eher Business-Publikum an. Trotz seiner eher suboptimalen Lage an einer vielbefahrenen Straße und seinem kühlen Äußerem wurden wir warm empfangen und mit handwerklich sehr gut gemachten Speisen verwöhnt. Der Mittagstisch ist mit 15,- € für ein Zwei-Gänge Menü und Wasser inkl. sicher nicht günstig, aber für die handwerklich hohe Qualität und die Lage angemessen. Das Basil & Mars dürfte auch abends einen Besuch wert sein, wenn man sich hierhin verirrt. Für mich klingt das 6-Gänge-Menü „Chef’s Selection“ (ein Überraschungsmenü) für derzeit 38,- € sehr interessant.

Über den Autoren

Kevin

Gutes Essen und Trinken sind seine Leidenschaft: Besonders Kaffee, Wein und Gin haben es ihm angetan. Bereits im Jahr 2009 ist er mit einem Blog zum Thema Kaffee durchgestartet und hat mit diversen Tests zu Kaffees und Kaffeemaschinen etwa 30.000 Lesern im Monat begeistern können. Seit 2015 widmet er sich mit hamburg-schmackhaft.de nun einem neuen Projekt, das vor allem deshalb spannend ist, weil es thematisch etwas breiter aufgestellt ist und auch Ausflüge "über den Tellerrand" zulässt.

1 Kommentar

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