Restauranttest

Die Gute Botschaft: Tim Mälzers neues Restaurant am Alsterufer

Die Gute Botschaft • Alsterufer 3 • 20354 Hamburg (www)

Am beschaulichen Alsterufer unweit der Kennedybrücke findet sich „Die Gute Botschaft“, das neue Restaurant von Tim Mälzer. Das Basil & Mars direkt nebenan haben wir schon hier im Blog vorgestellt. Da ist es doch fast schon eine Selbstverständlichkeit, dass wir auch den Mittagstisch von „Die Gute Botschaft“ testen.

Location

Von außen atmet das Mälzer-Restaurant den kühlen Business-Beton-Look, den das moderne Gebäude am Alsterufer verströmt. Muss man mögen, die Altbauten im Stadtteil Rotherbaum verströmen einen ganz anderen Charme. Kommt man aus Richtung Basil & Mars, übersieht man den Eingang des Restaurats leicht, sodass nicht nur ich, sondern auch andere Gäste erst einmal die großen Scheiben entlanggehen, einen Eingang suchen und hilflos an einer geschlossenen Tür rütteln, die geradezu dazu einlädt. Hat man den Eingang gefunden, wird man nett empfangen. Mittags ist recht viel los, Reservierungen kann man erst ab sieben Personen vornehmen.

Innen ist das Konzept des „Die Gute Botschaft“ auf Offenheit ausgelegt. Im hellen Empfangsbereich finden sich einige Produkte mit Bezug zu Hamburg und eine Lichtinstallation aus Leuchtstoffröhren, die bei näherem Hinsehen das Logo des Restaurants wiedergibt. Cool! Die Tische stehen in einem großzügigen Raum und die Küche ist so offen, wie ich sie bisher noch in keinem anderen Restaurant gesehen habe. Das Beleuchtungskonzept ist wirklich gut gelungen und der Blick auf die Alster wird nur von einigen parkenden Autos blockiert.

Service

Der Service im Mälzer-Restaurant ist schnell und kompetent, auch wenn die Kommunikation, die wohl Teil der Corporate Identity von „Die Gute Botschaft“ ist, etwas angestrengt wirkt. Man wird im Restaurant permanent geduzt und auf Rückfrage zu den angebotenen Säften hieß es, die würden „einfach geil schmecken“. Das gehört wohl zum Konzept. Für mich löst das irgendwie ein Störgefühl aus in einem doch recht hochpreisigen Restaurant in Hamburg Rotherbaum, in dem zur Mittagszeit viel Business-Publikum sitzt. Leider wackelte unser Tisch recht stark, was nach Rückfrage auch nicht durch den Service behoben werden konnte.

Essen & Getränke

Das Mittagstisch in „Die Gute Botschaft“ ist vom Konzept her schnell erklärt: Man sucht sich einfach die Gerichte auf der Karte aus und bestellt. Es gibt keine Überraschungsmenüs, kein ermäßigtes Mehrgängemenü und kein Getränkeangebote. Wir waren uns beim Besuch nicht mal sicher, ob es überhaupt eine Mittagskarte gibt bzw. ob die Mittagskarte mit der Abendkarte identisch ist. Es scheint aber aktuell tatsächlich so zu sein, dass das Restaurant nur bis 19 Uhr geöffnet hat. Auf der spärlichen Homepage habe ich weder die Mittagskarte noch die Abendkarte gefunden.

Preislich ist „Die Gute Botschaft“ sicher angemessen, wobei die Preisschere je nach Wunsch auch recht weit aufgeht. Man kann einen Eintopf für 7,- € bekommen (Wochenkarte), aber auch Entrecôte mit Beilagen für 28,- €. Neben den fünf Gerichten von der Wochenkarte und acht „Signature“-Gerichten kann man sich auch für 6,50 € (kleiner Teller) oder 11,50 € (großer Teller) an der Salatbar austoben. Ich nehme mal an, dass der Hinweis auf der Karte „Zum selber ernten“ so zu verstehen ist, dass man hier selbst an der Salatbar tätig wird. Getränkepreise finden sich auf der Karte nicht, bewegen sich aber auch im üblichen Rahmen (Cola Light 2,90 €, Espresso sogar nur 1,50 €).

Ich bestelle den „Nichtburger“ mit „knusprigem Reis“ und Pommes für 9,50 €. Der entpuppt sich dann irgendwo optisch doch als ganz normaler Burger, der lediglich auf das Fleisch-Patty verzichtet und stattdessen ein paniertes Risotto-Patty hat. Die Pommes dabei sind knusprig und stark gesalzen, ganz nach meinem Geschmack (Majo und Ketchup stehen bereit, keine Experimente). Auch der Seelachs von der Wochenkarte bei meiner Begleitung ist ohne Fehl und Tadel. Am Ende fehlt mir aber die Raffinesse. Der Burger ist handwerklich gut gemacht, aber beim Namen „Nichtburger“ hatte ich irgendwie mehr erwartet. Die Tarte zum Nachtisch mit Himbeeren war leider etwas trocken und geschmacklich auch nur okay, was allerdings beim Preis von 3,50 € noch zu verschmerzen war.

Fazit zum Test

Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass „Die Gute Botschaft“ noch eine Weile braucht, um wirklich am Alsterufer anzukommen. Der Standort und das Interieur sind wirklich schön, das Konzept und die Speisen locken mich persönlich aber derzeit noch nicht, hier wieder reinzuschauen. Insbesondere, weil das Restaurant nur bis 19 Uhr (auf der Homepage im Impressum steht sogar nur 16 Uhr) auf hat. Für mich schlummert hier noch einiges an Potenzial, denn die Lage und die Räumlichkeiten sind wirklich schön und auch die Kochskills scheinen vorhanden zu sein. Kulinarische Feuerwerke werden derzeit nicht entzündet, aber grundsolide Kochkunst zum angemessenen Preis. Kommt jetzt noch ein bisschen mehr Raffinesse in den Laden und z. B. ein Mehrgänge-Menü Angebot zum Mittag, könnte es für künftige Besuche noch interessanter werden.

Über den Autoren

Kevin

Gutes Essen und Trinken sind seine Leidenschaft: Besonders Kaffee, Wein und Gin haben es ihm angetan. Bereits im Jahr 2009 ist er mit einem Blog zum Thema Kaffee durchgestartet und hat mit diversen Tests zu Kaffees und Kaffeemaschinen etwa 30.000 Lesern im Monat begeistern können. Seit 2015 widmet er sich mit hamburg-schmackhaft.de nun einem neuen Projekt, das vor allem deshalb spannend ist, weil es thematisch etwas breiter aufgestellt ist und auch Ausflüge "über den Tellerrand" zulässt.

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