Produkttest

Günstige Alternative? Schwarzwald Gin von Lidl vs. Monkey 47

Neulich beim Einkaufen ist mir der Schwarzwald Gin* in die Hände gekommen, der bei Lidl gerade im Angebot ist für schlappe 7,49 € (0,5l Flasche). Beim Schwarzwald denkt man natürlich sofort daran, dass der Lidl Gin eine Hommage an den Monkey 47* sein könnte, der seit dem Kauf durch Pernod im Preis gefallen ist, aber immer noch etwa 30,- € (0,5l Flasche) kostet. Damit spielen Lidl Schwarzwald Gin und Monkey 47 natürlich preislich in einer ganz anderen Liga. Ob sie geschmacklich konkurrieren können und ob der Lidl Gin vielleicht sogar eine Alternative darstellt, klären wir im Testbericht.

Produktinformationen

Die dunkle Apothekerflasche ist beim Monkey 47 natürlich nett anzusehen und in jeder Bar ein Hingucker. Aufgrund des günstigen Preises kommt der Lidl Schwarzwald Gin auch optisch etwas günstiger daher, hat aber – ungewöhnlich in dieser Preisklasse – einen Korken mit Holzanteil. Die Etiketten enthalten Basisinfos zum Gin mit 43% Alkohol, der aus der Edelbranntweinbrennerei Bimmerle stammt (tatsächlich aus dem Schwarzwald!). Der Lidl Gin wird in einer „Single-Batch-Destillation“ gewonnen. D. h. es sollen nur die besten Destillate für den Lidl Gin ausgewählt werden. Mit elf Botanicals ist der Lidl Schwarzwald Gin sicher etwas einfacher produziert als der Monkey 47* mit – ihr ahnt es – 47 verschiedenen Botanicals.

Geschmack

Für mich ist der Monkey 47 ein moderner Gin-Klassiker, der zu den wirklich charakteristischen, wachholderlastigen Gins gehört. Aufgrund der starken Abstimmung der 47 Botanicals eröffnet der Monkey 47 im Mund mit einem angenehmen, kräftigen, aber nicht aufdringlichen Wachholder Geschmack und endet im Abgang mit Zitrus Noten, die sich langsam entfalten. Er harmoniert ganz hervorragend mit Fever Tree Indian Tonic*.

Der Schwarzwald Gin von Lidl riecht im Vergleich schon deutlich stärker und ist geschmacklich spritziger, wirkt dadurch aber etwas „over the top“. Im Geschmackstest reicht er nicht an die Komplexität des Monkey Gin. Der Schwarzwald Gin von Lidl entwickelt sich nicht im Mund, sondern ist gleichbleibend ausbalanciert, wirkt dabei aber geschmacklich etwas parfümiert-künstlich. Pur war meine erste Assoziation „Tannennadeln“, was ganz interessant ist, weil ich nach dem Tasting gelesen habe, dass die Bimmerle Brennerei auch einen neuen Gin im Programm hat, der sich „Needle“ nennt und tatsächlich nach Fichtennadeln schmecken soll (hier zu sehen). Ein gewisser „Verwandtschaftsgrad“ zwischen Needle Gin und Schwarzwald Gin bei Lidl ist aber nicht auszuschließen. Im Abgang ergeben sich leichte Bitternoten, die der Monkey 47 trotz seines höheren Alkoholgehalts (47% beim Monkey 47 vs. 43% beim Lidl Schwarzwald Gin) nicht aufweist.

Fazit

Für mich persönlich ist der Lidl Schwarzwald Gin* überraschend gut. Zwar sind die Geschmacksnuancen nicht so differenziert wie beim Monkey 47*, aber hey… dieser Gin kostet ja auch vier mal so viel, da sollte er einfach geschmacklich deutlich mehr bieten. Aufgrund des leicht bitteren Abgangs und der mangelnden Komplexität ist der Monkey 47  der bessere Gin, keine Frage. Der Lidl Schwarzwald Gin, der tatsächlich aus dem Schwarzwald kommt, ist aber für Gin-Einsteiger zu empfehlen. Wer einen günstigen, deutlich zitruslastigeren Gin sucht, dem sei der Hampstead Gin* von Lidl ans Herz gelegt, den ich auch noch separat hier im Blog vorstellen werde. Für mich ist der Hampstead geschmacklich der „ehrlichere“ Gin, ich bin aber sicher, dass auch der Schwarzwald Gin seine Fans finden wird.

Über den Autoren

Kevin

Gutes Essen und Trinken sind seine Leidenschaft: Besonders Kaffee, Wein und Gin haben es ihm angetan. Bereits im Jahr 2009 ist er mit einem Blog zum Thema Kaffee durchgestartet und hat mit diversen Tests zu Kaffees und Kaffeemaschinen etwa 30.000 Lesern im Monat begeistern können. Seit 2015 widmet er sich mit hamburg-schmackhaft.de nun einem neuen Projekt, das vor allem deshalb spannend ist, weil es thematisch etwas breiter aufgestellt ist und auch Ausflüge "über den Tellerrand" zulässt.

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