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Hello Fresh im Test: Frisch & lecker, aber nicht ganz günstig

Von Hello Fresh* habt ihr bestimmt schon gehört. Das Startup-Unternehmen scheint ein riesiges Marketing-Budget zu haben und schmeißt geradezu mit Gutscheinen und Werbung um sich. Für den gestressten Großstädter wirkt die Idee gar nicht verkehrt: Hochwertige Essenszutaten, die praktisch vorportioniert geliefert werden. Warum nicht! Wir haben die Gelegenheit genutzt, das Prinzip von Hello Fresh einmal zu testen.

Wie funktioniert Hello Fresh und was kostet es?

Hello Fresh kauft für euch ein und liefert euch die Zutaten für eure Mahlzeiten, die ihr dann – nach einem Rezept von Hello Fresh – zubereitet. Wie der Name schon andeutet, soll das Ganze dann besonders frisch, ausgewogen und gesund sein. In der Praxis läuft es wie folgt: 1. Abo abschließen (ohne Mindestlaufzeit), 2. Kochbox zu einem gewählten Zeitpunkt jede Woche erhalten und 3. loskochen. Eine Kochbox enthält dann jeweils drei komplette Gerichte für zwei oder vier Personen mit den jeweiligen Rezepten. Die folgenden Ausführungen beziehen sich im weiteren auf die Kochbox für zwei Personen, da wir diese im Test hatten.

Preislich ist Hello Fresh auf den ersten Blick nicht gerade günstig: Eine Box für zwei Personen mit drei Mahlzeiten kostet 39,99 € (also pro Mahlzeit für zwei: 13,33 €). Dabei hat man im Bsetellprozess die Wahl zwischen mehreren Vorlieben (Neue Entdeckungen, Veggie Gerichte, Leichter Genuss, Zeit sparen). Für stolze Besitzer der Thermomix Küchenmaschine gibt es auch noch eine Option, um die Lieferung extra an die Bedürfnisse der Maschine anzupassen. Wir haben uns in unserem Test für die „normale“ Veggie Kochbox entschieden.

Bestellung und Lieferung

Der Ablauf von Bestellung und Lieferung ist denkbar einfach und unkompliziert: Wählt die Box, den wöchentlichen Liefertag (abends auch möglich, Samstag gegen Aufpreis möglich) und bezahlt und schon kommt die Kochbox zu euch. In unserem Test war die Box Freitag in einem Zeitfenster von 19:00 – 22:00 Uhr angekündigt und war auch pünktlich und gut gekühlt um etwa 19:30 Uhr da. Es kann sein, dass nicht Hamburger bzw. nicht Großstädter im Allgemeinen etwas weniger flexible Lieferoptionen haben. Dafür gibt es aber dann auch Abstelloptionen. Mir gefällt der Bestellprozess jedenfalls ziemlich gut und durchdacht. Ich glaube bei Hello Fresh wird jeder fündig, was die Lieferoptionen angeht. Versandkosten sind übrigens inklusive.

Die Lieferung kommt in einem stabilen Karton. Die Zutaten, die gekühlt werden müssen, wurden bei uns mit einem großen Kühlpad mehr als ausreichend kühl gehalten. Also hätte das Paket auch noch locker einige Stunde ausharren können. Die einzelnen Zutaten werden in Papptüten und miniaturisierten Verpackungen geliefert, die z. T. sogar recht niedlich wirken (besonders schön fand ich das kleine Kartoffelnetz). Dass etwas beschädigt wird, ist durch die Art der Verpackung eigentlich so gut wie ausgeschlossen, denn es wird an Details gedacht. Es wurde z. B. ein Joghurtbecher extra mit einem Pappbecher ummantelt, sodass dieser stoßfest seinen Platz im Karton finden konnte.

Umweltbilanz

Bis hierhin in allem sehr überzeugend, nur entsteht natürlich auch recht viel Müll. Hello Fresh* scheint auch diesen Aspekt auf dem Zettel zu haben. Die beiliegende Tiefkühltüte (die man allerdings auch mehrfach verwenden kann) war beispielsweise aus recycleten Materialien. Außerdem besteht die Möglichkeit, Kühlakkus und Isolationsmaterial alle fünf Wochen kostenfrei an Hello Fresh zurückzusenden. Darüber hinaus wirbt Hello Fresh – sicher auch richtig – damit, dass durch die genaue Lieferung der Lebensmittel weniger überschüssig eingekaufte Lebensmittel ungenutzt entsorgt werden. In meinen Augen dürfte so auch die Umweltbilanz von Hello Fresh ziemlich gut ausfallen, weil – dazu gleich mehr – bei den Lebensmitteln auch noch auf regionale Produkte geachtet wird.

Lebensmittelqualität

Alle Lebensmittel, die wir von Hello Fresh geliefert bekommen haben für unsere Veggie Box waren nicht nur hochwertig (etwa Basmati Reis von Reisshunger), sondern wirkten auch sehr frisch. Zwar waren nicht alle Zutaten „Bio“ und regional, aber einige – wie etwa die Kartoffeln – waren aus Deutschland. Es waren, mit Ausnahme einer Zwiebel, wirklich alle Zutaten so, als hätte man sie sich selbst auf einem Markt oder in einem Supermarkt selbst ausgesucht: keine Stellen, kein Schimmel, keine sonstigen Mängel.

Ganz erfreulich ist zudem, dass auch ungewöhnliche Zutaten komplett frisch mitgeliefert werden, die man sonst evtl. gar nicht so leicht bekommt oder vielleicht durch etwas anderes ersetzen würde. Bei der Veggie Box wurde für die Pilz-Fiorelli frischer Oregano mitgeliefert. Besonders die Pilz-Fiorelli fand ich im Übrigen schön, weil diese wirklich handgemacht wirkten und einen frischen, wenngleich auch dezenten Pilzgeschmack aufwiesen. Wer bei Hello Fresh bestellt kann also sehr gute Lebensmittelqualität erwarten.

Kochen: Hirn aus, los geht’s?

Hello Fresh wirbt natürlich damit, dass es supereinfach und schnell geht. Das stimmt im Grunde auch, aber ganz das Hirn ausschalten beim Kochen dürft ihr nicht und eure Küche sollte wenigstens mit einigen Basics ausgestattet sein. Die benötigten Küchenutensilien stehen aber auch übersichtlich auf den Rezepten. Für die drei Gerichte der Veggie Box braucht man etwa (ich liste nicht jeden Topf auf, sondern nur spezielle Dinge): Gemüsereibe*, hohes Rührgefäß, Pürierstab* und ein Sieb. Wir haben keinen Pürierstab genutzt, sondern unsere Bosch MUM5-Küchenmaschine*.

Unsere Eindrücke der bebilderten Anleitungen sind gemischt. Grundsätzlich sind oben (sehr klein) die Zutaten abgedruckt, darunter folgt eine Anleitung mit Bildern, die sehr einfach die wichtigsten Schritte zeigt. Darüber hinaus sind die Schritte nummeriert und kurz und gut verständlich erklärt.

Das Jamie Oliver Rezept (er scheint Partner zu sein), „Jamies scharfes Saag Aloo mit Reis und knackigem Salat“, fiel in mehreren Punkten etwas aus der Reihe: Mit zehn Schritten (die anderen Rezepte bestehen aus fünf!) ist es insgesamt vergleichsweise aufwändig gewesen. Die verschiedenen Schritte Step-by-Step auszuführen, brachte mir zumindest kein besonders gutes Gefühl für das Timing, weil die Texte sehr kurz sind und dafür zu wenige Background Informationen enthalten. Darüber hinaus habe ich schlicht die Mengenangaben (in klein abgedruckt oben links auf den Rezeptkarten) übersehen und nach der Anleitung „drauf los“ gekocht, frei nach dem Motto „Hello Fresh richtet es schon!“. Das hat sich leider als schwerwiegender Fehler herausgestellt, denn die Anleitung sagte nur kurz in Schritt Nr. 4 „Currypaste hinzufügen […]“ und das ohne Mengenangabe. Statt jetzt – wie oben in klein abgedruckt – einen Teelöffel der (höllen-)scharfen Currypaste zu verwenden, habe ich einfach die ganze Packung genutzt (geschätzte drei Esslöffel!).

Das Ergebnis war wohl ziemlich original indisch, aber für den durchschnittlichen Westeuropäer ungefähr zehn mal so scharf, wie alles, was er vorher gegessen hat in seinem Leben. Das „indische Höllenfeuer“, was ich durch meine kleine Unachtsamkeit entfacht habe, ließ sich am Ende nur mit sehr viel Joghurt und Reis noch ablöschen und hinterließ trotzdem noch einen bleibenden Eindruck. Bis auf das Jamie Oliver Rezept, das mir ehrlich gesagt zu aufwändig war, waren die Rezepte sonst sehr sehr einfach und ließen sich schnell realisieren. Auch die Anleitungen waren übersichtlich gemacht, sodass man die einzelnen Schritte sehr gut nachvollziehen konnte. Dass man zwischendurch dann doch wieder auf die Mengenangaben schauen muss, ist ein kleiner Fallstrick und relativiert ein bisschen die scheinbare Einfachheit von Hello Fresh, denke aber das kann gerade bei der ersten Box mal passieren.

Portionsgröße & Geschmack

Die Gerichte von Hello Fresh* sind uns – bis auf das Jamie Oliver Malheur – alle sehr gut gelungen und sahen sogar fast so gut aus, wie auf den Produktbildern von Hello Fresh (siehe oben in der Galerie). Lecker waren die Pilz Fiorelli mit frischem Gemüse, auch wenn die Pilzfüllung nicht so geschmackvoll im fertigen Gericht war, wie in den kalten Fiorelli. Mit dem Parmesan und frischem Oregano hat mir das Gericht aber insgesamt sehr gut gefallen, auch wenn die Portion insgesamt etwas klein war für meinen Geschmack. Persönliches Highlight war für mich der Couscoussalat „Tricolor“ mit Büffelmozzarella, getrockneten Tomaten und Avocado. Die Kombination dieser frischen Zutaten mit Rucola hat mir außerordentlich gut gefallen. Hier hat die Portion auch stärker gesättigt als bei den Fiorelli.

Fazit zum Test von Hello Fresh

Hello Fresh ist ein durchgestyltes Startup-Unternehmen, das sicher sehr viel richtig macht und überzeugende Dienstleistungen anbietet. Das Konzept der Zusammenstellung mit verschiedenen Vorlieben, die flexible Lieferung, Essensqualität und Zubereitung sowie Geschmack können überzeugen. Die Gerichte waren größtenteils sehr einfach nachzukochen und schmeckten hervorragend, auch wenn die Portionsgrößen für viele (insbesondere Sportler oder körperlich arbeitende Menschen) etwas zu klein sein dürften. Letztlich steht und fällt das Konzept mit dem Preis: Angesichts des wirklich runden Gesamtpaket empfinde ich den Service von Hello Fresh zwar nicht günstig, aber durchaus preiswert.

Wollt ihr die Kochboxen auch mal ausprobieren: Hier geht es zur Anmeldung bei Hello Fresh (mit Gutschein!)*.

Über den Autoren

Kevin

Gutes Essen und Trinken sind seine Leidenschaft: Besonders Kaffee, Wein und Gin haben es ihm angetan. Bereits im Jahr 2009 ist er mit einem Blog zum Thema Kaffee durchgestartet und hat mit diversen Tests zu Kaffees und Kaffeemaschinen etwa 30.000 Lesern im Monat begeistern können. Seit 2015 widmet er sich mit hamburg-schmackhaft.de nun einem neuen Projekt, das vor allem deshalb spannend ist, weil es thematisch etwas breiter aufgestellt ist und auch Ausflüge "über den Tellerrand" zulässt.

3 Kommentare

  • Hallo 🙂
    Ich hatte das gleiche Paket! Das Curry an sich war zwar super lecker, aber wie hier schon steht: VIEL zu scharf!
    ZU HF.: Gute Konzept-Idee, schlchte Umsetzung. Ich muss trotzdem noch einkaufen, dann kann ich auch mein Gemüse mitnehme. Ich hab durch HF ungefähr zehnmal so viel Müll wie sonst ), da ich im Laden Gemüse, Obst und Kräuter lose einpacke, keine Kühlakkus und Schutzfolien benötige und ich benötige auch keine rießigen Kartons… Also in diesem Punkt hier wurde einfach das genaue Gegenteil vom eigentlichen Ziel (weniger Müll) erreicht. Zudem war in meinem ersten Paket der Großteil der Zutaten schlecht. Und für das Kochen benötige ich noch genauso viel Zeit wie immer… Und zum Schluss finde ich die meisten Rezepte viel zu ausgefallen ( von 6 haben mir 2 geschmeckt…)

    Aber jetzt noch eine kleine Frage: Wie hieß denn die Curry-Paste? Würde das gerne nochmal nachkochen…

    • Hi Pia,

      naja, die Schärfe kam ja nur dadurch, dass ich die ganze Packung der scharfen Currypaste reingepackt hab. 😉 Ich glaube sonst wäre es aushaltbarer gewesen.

      Zum Konzept: Ich war eigentlich überrascht, wie gut es funktioniert. Müll ist ein Thema, klar. Aber ich finde das ist schon gut umgesetzt, auch mit der Rücknahme der Kühlakkus und von schlechten Zutaten habe ich bisher auch gar nicht gehört. Aber wir haben es nur ein mal getestet.

      Besonders das Jamie Oliver Rezept war mir auch zu viel Aufwand, aber sonst fand ich die Zusammenstellung der Rezepte echt gut. Kann dir leider nicht sagen, wie genau die Currypaste hieß, aber scharfe Currypaste sollte sich ja auch so finden (sie war rot, meine ich).

      Herzlich
      Kevin

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