Restauranttest Unterwegs

Restaurant Ahoi by Steffen Henssler: Lecker, aber preisintensiv!

Restaurant Ahoi by Steffen Henssler • Spitaler Straße 12 • 20095 Hamburg (www)

Das Restaurant Ahoi in der Spitaler Straße ist gerade erst frisch von Steffen und Peter Henssler eröffnet worden. Es befindet sich dort, wo ehemals das Fischrestaurant „Daniel Wischer“ war. Angesichts der doch recht ausgeprägten Berichterstattung um das Restaurant im Herzen Hamburgs und der doch aktuell recht negativen Netzresonanz (Google aktuell 2 von 5 Sternen, Stand: 15.2.2017), musste ich das Ahoi selbst einmal testen und präsentiere euch hier meine Eindrücke.

Location

Im Herzen der Stadt in unmittelbarer Nähe zur Mönckebergstraße, zur Binnenalster und zum Rathaus ist das Ahoi by Steffen Henssler so zentral, wie es nur sein kann. Wie eingangs erwähnt, ersetzt es „Daniel Wischer“, der nun in den negativen Rezensionen bei Google gern mit Wehmut erwähnt wird. Ich weine Daniel Wischer keine Träne nach – ich kenne den Laden zwar vom Vorbeigehen, habe aber noch nie einen Fuß reingesetzt. Sei’s drum: Das Ahoi hat aktuell außen einige schmucklose, helle Tische, die bei besserem Wetter wahrscheinlich noch ein wenig dekoriert werden. Aber dank des Außenverkaufs in Kombination mit dem recht sonnigen Wetter heute, haben sich auch bei eisigen Temperaturen schon einige Hartgesottene gefunden und ein paar Pommes gegessen. Vor der Tür machen einige Touristen Selfies vor dem Restaurant – „Ahoi, mit Grüßen aus Hamburg“, oder so.

Das Restaurant ist ziemlich groß und hat zwar große Scheiben am Eingang, nach hinten und oben wird es aber etwas dunkler. Beim Weg hinein kann ich schon einen Blick in die obligatorisch offene Küche wagen und werde nett zum Platz gebracht. Ich entscheide mich für einen Platz im oberen Restaurant-Bereich, der auch zur Mittagszeit Punkt 12 Uhr nicht übermäßig gefüllt war. So richtige Design-Wagnisse hat man im Henssler Restaurant nicht auf sich genommen: Das Ahoi ist komplett neu, funktional, ein bisschen verspielt mit dunklen Holzvertäfelungen und hat die obligatorischen Ziegelwände, sichtbare Luftschächte und einige Schriftzüge an den Wänden – sowas wie „Mmmh lecker…“. Wenn mir das schon so eingeredet wird, fällt es wirklich schwer, objektiv zu bleiben.

Halten wir fest: Das Corporate Design sitzt, alle Edelstahl Applikationen sind poliert. Der große gemalte Wal an der Wand ist ein echtes Highlight. Das Ahoi by Steffen Henssler ist von vorn bis hinten durchgestylt. Hier will man nicht anecken, sondern möglichst einer breiten Masse gefallen – ich bin sicher, das wird klappen, zumindest hinsichtlich der Location.

Service

Der Service ist jung, freundlich und gleich „per du“ mit jedem Gast. Auf mich wirkt das authentisch und nicht nach einer aufgesetzten Unternehmensideologie, klasse! Auf Rückfragen kann die Bedienung schnell reagieren und kann sogar von eigenen Erfahrungen mit den Speisen aus dem Ahoi berichten. Ich frage nach, was denn „Sauerrahm ‚TNT'“ beim Terriyaki-Burger bedeutet – nach kurzer Irritation erhalte ich die Antwort, Sauerrahm sei so etwas wie Crème fraîche. Sicher nicht falsch, aber ich wollte eigentlich wissen, was der Sprengstoff („TNT“) in dem Terriyaki Burger ist. Whatever, ich nehme den Burger trotzdem.

Auch den restlichen Besuch über ist der Service freundlich, zuvorkommend und schnell. Hier gibt es wirklich nichts zu beanstanden. Auch wenn es sicherlich einfach nur unbedacht ist, finde ich die Aufschrift der T-Shirts „Geschmacksträger“ unpassend und herablassend. Wortwitz hin oder her: Das reduziert diesen sehr guten Service auf seine Hol-und-Bring-Funktion, obwohl ich wirklich den Eindruck hatte, dass die Mitarbeiter sich hier auch bemühen, Gastgeber zu sein.

Essen & Getränke

Die Karte ist anscheinend ein buntes Potpourri aus Henssler Lieblingsgerichten, was das Restaurant zu einer Art Gemischtwarenladen für Fernsehkoch-Fans macht. Von Schnitzel, über Sushi bis Burger und Fisch ist alles dabei, wobei die Karte an sich aber überschaubar ist. Dass es nun gerade „Steffens Top Ten“ sind, ist ein bisschen verwirrend, weil es deutlich mehr als zehn Gerichte sind und ein Gattung (alle Burger oder alle Sushi-Variationen) als ein Platz in den Top Ten zählen. Ich entscheide mich für den Beef-Terriyakiburger, der allein ohne Beilagen schon 12,90 € kostet. Dazu nehme ich eine Portion Süßkartoffel-Pommes (4,50 €), Trüffel-Mayo (1,20 €) und ein stilles Wasser (1,80 €).

Zur „Vorspeise“ gibt als Gruß aus dem Kino der Küche eine Portion Popcorn. Merkwürdig. Schmeckt ganz okay, könnte ein bisschen knuspriger sein. Weil mir das Popcorn ohnehin nicht so ins Konzept passt, lasse ich es stehen. Lange muss ich nicht warten und es steht schon mein Terriyaki-Burger auf dem Tisch inklusive der Süßkartoffel Pommes und der Trüffel-Mayonese. Dazu gesellt sich – wie die Mayo in einem Weck-Glas serviert – auch noch ein kleiner Gurkensalat. Warum der Burger in einem Pfännchen serviert wird, ist mir nicht ganz klar und die hohen Ränder können beim Schneiden etwas störend sein.

Der Burger schmeckt sehr gut, auch wenn ich beim Essen immer noch denke, dass das versprochene „Sauerrahm TNT“ doch irgendwann zünden müssen. Scharf war der Burger aber jedenfalls nicht. Mit guter Würze, ein knackigem Brötchen und frischem Salat war der Burger wirklich gut, nur Medium ist das Beef Patty nicht geworden, sondern „well done“. Damit kann ich leben. Die Süßkartoffel-Pommes sind hervorragend – knusprig, herrlich süß und auf den Punkt gesalzen. Die obligatorische Trüffelmayo schmeckt mir einen Tick zu intensiv, passt aber sehr gut zu Burger und Pommes. Zu intensiv ist auch der kleine Gurkensalat geraten, der etwas übersäuert ist.

Am Ende stehen 20,40 € auf der Rechnung, ohne Trinkgeld (zur Erinnerung: Burger, Pommes, Wasser). Angesichts der Location direkt in der Innenstadt sind hohe Preise erwartbar, für mich ist das aber trotzdem ein bisschen über das Ziel hinausgeschossen – der Name Henssler am Klingelschild und Lage hin oder her. Ob sich hier eine Stammkundschaft findet aus umliegenden Büros? Ich jedenfalls fände schön, wenn nicht nur Touristen ins Ahoi gelockt werden, sondern die arbeitenden Hamburger aus umliegenden Geschäften und Bürogebäuden auch noch einen bezahlbaren Mittagstisch bekämen.

Fazit zum Test

Das Ahoi by Steffen Henssler in der Spitaler Straße ist neu, schick eingerichtet und mit einem aufmerksamen, jungen Service ausgestattet. Auch wenn man beim Namen „Ahoi“ sofort an ein Fischrestaurant denkt, ist das Restaurant eher ein Gemischtwarenladen aus Henssler-Lieblingsgerichten von Sushi bis Burger. Angesichts des guten, aber nicht perfekten Essens bei meinem Test empfinde ich persönlich die Preise leider als zu hoch, auch wenn man Lage und den Fernsehkoch-Bonus mit einrechnet.

Wart ihr schon im Ahoi by Steffen Henssler? Wir würden und über eure Erfahrungen und Kommentare freuen!

Über den Autoren

Kevin

Gutes Essen und Trinken sind seine Leidenschaft: Besonders Kaffee, Wein und Gin haben es ihm angetan. Bereits im Jahr 2009 ist er mit einem Blog zum Thema Kaffee durchgestartet und hat mit diversen Tests zu Kaffees und Kaffeemaschinen etwa 30.000 Lesern im Monat begeistern können. Seit 2015 widmet er sich mit hamburg-schmackhaft.de nun einem neuen Projekt, das vor allem deshalb spannend ist, weil es thematisch etwas breiter aufgestellt ist und auch Ausflüge "über den Tellerrand" zulässt.

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