Bistro Restauranttest

Schwäbischer Imbiss „Zum Spätzle“ im Test: Original Schwäbisch Essen in Hamburg

Schwäbischer Imbiss „Zum Spätzle“ • Wextr. 31 • 20355 Hamburg (www)

In der Hamburger Neustadt (unweit des Großneumarkt) haben wir das „Zum Spätzle“ an einem Samstag Abend ausprobiert. Wie uns der schwäbische Imbiss gefallen hat, lest ihr in unserem Testbericht.

Location

Bei einem unangenehmen Regenwetter wie es am Tag unseres Besuchs im „Zum Spätzle“ der Fall war, ist der kleine, unauffällige Laden quasi erst dann auszumachen, wenn man direkt vor ihm steht. Die Wexstraße, die mir vorher zugegebenermaßen kein Begriff war, hat noch einige andere Restaurants im Angebot, die mir bisher noch kein Begriff waren. Aufgrund der vielen Bürogebäde in der Umgebung würde ich tippen, dass die Gastronomie hier vor allen Dingen von Business-Publikum geprägt ist. Darauf komme ich aber gern noch mal zurück, wenn ich in der Hamburger Neustadt noch ein paar andere Locations ausprobiert habe.

Bei unserem Besuch mit Reservierung an einem Samstag Abend war es nicht nur sehr voll, sondern zu voll, sodass wir mehr als 20min warten mussten, bis wir unseren reservierten Platz bekamen. Die Platzverhältnisse im „Zum Spätzle“ sind sehr beengt, obwohl die Betreiber anscheinend schon ein paar „Wandplätze“ gestrichen haben, wie sich alten Fotos auf der Homepage entnehmen lässt. Es ist sehr warm, was wohl an der offenen Küche liegt, die direkt in den Gastraum integriert ist, und klar: den vielen Menschen auf engem Raum. Die Garderobe haben wir selbst nach einer Rückfrage beim Service nicht gefunden, weil sich diese hinter einer Tür mit der Aufschrift „WC“ befindet, wo wir keine Garderobe mehr vermutet hätten. Statt uns wieder durch die „Einbahnstraßen-Gänge“ des Imbisses zu quetschen, legen wir die Jacken lieber auf die Bank neben uns.

Die Sitzmöglichkeiten sind okay und funktional, lange will man aber gerade auf der Bank nicht verweilen, weil die Sitzhaltung dazu nicht einlädt. Insgesamt ist die Einrichtung einfach, ein bisschen urig angehaucht mit bestickten Tischdecken.

Service

Die Bedienung war durchweg nett, unaufgeregt und mir persönlich ein bisschen zu schüchtern. Wir fühlten uns – insbesondere nach 15min im Regen warten bei Regen und Kälte – doch manchmal etwas verlassen, weil niemand auf uns zukam, sich entschuldigte und Auskunft über die Wartezeit preisgab. Das war gleich zu Beginn ein herber Dämpfer, der unsererseits fast zu einem Restaurantwechsel geführt hätte. Den Entschuldigungs-Obstler nach dem Essen haben wir aber trotzdem gern genommen, auch wenn ich diesen Abend fahren musste und zugegebenermaßen Obstler gar nicht mein Fall ist. So blieb dann mehr für die anderen. Ansonsten konnte wir uns nicht beklagen. Es ist ein Imbiss, nicht mehr, nicht weniger. Das ging schon in Ordnung. Etwas mehr Empathie würde aber trotzdem nicht schaden, indem man z. B. darauf hinweist, dass die Garderobe tatsächlich etwas versteckt hinter der WC-Tür in einem kleinen Zwischenflur liegt oder pro-aktiv auf die Selbstbedienungsmöglichkeit bei den Getränken hinweist.

Essen & Getränke

Das Essen ist – so kann man der ersten Seite der Karte entnehmen – aus ausgewählten Zutaten selbst gemacht, wobei die kleine Küche kaum Raum für große Variationen zulässt. Das finde ich aber vor allen Dingen angesichts der sehr günstigen Preise nicht weiter schlimm, sondern eher positiv. Ich habe den Eindruck, hier identifiziert man sich sehr mit den Zutaten und den daraus hergestellten Speisen. Spätzle-Gerichte fangen ab 8,90 € an, Maultaschen sind ab 10,90 € zu haben und Käsespätzle mit Hackbraten für 14,40 € sind schon das teuerste Gericht auf der Karte. Das ist schon fast Mittagstisch-Niveau! Daneben gibt typisch schwäbische Biere, die typische Flädlesuppe und belegte Seelen (was ist das?), die wir leider nicht probieren konnten.

Wir haben uns (klar, der Imbiss heißt „Zum Spätzle“…) quer durch die Spätzle-Gerichte probiert. Ich hatte die Linsen und Spätzle mit einer Wiener Wurst für 10,90 € und dazu eine Apfelschorle zum günstigen Preis von 2,60 €. Dazu gab es noch einen kleinen, etwas freudlosen Beilagensalat. Geschmacklich habe ich wenig auszusetzen, außer fehlendes Salz, bei dem ich selbst nachhelfen kann. Auch die anderen Gerichte sind solide und mit Portionen ausgestattet, die für den selbst für den hungrigen Durchschnittsesser nur mit Mühe zu bewältigen sind (wer bestellt die auf der Karte angepriesenen großen Portionen?). Der Hackbraten ist sehr fein gemacht und hat einen tollen herzhaften Eigengeschmack, ist portionsmäßig aber auch ein bisschen zu gut gemeint. Bei den Parmesan-Spätze (dem wohl variationsreichsten Spätzle-Gericht) sieht die Portion zwar schaffbar aus, angesichts des Parmesan-Berges muss meine Mitstreiterin aber dann doch zurecht kapitulieren. Als hätte man sich in der Küche gedacht: „Hier geht keiner ohne Suppenkoma raus, heute!“

Wir ahnen schon, dass es mit dem Dessert ähnlich verlaufen wird und bestellen nur zwei Portionen für vier Personen. Nach dem das Hauptgericht bei allen eher gut gemacht, aber schmucklose Hausmannskost empfunden worden ist, glänzt das „Zum Spätzle“ beim Dessert dann doch noch: Der Apfelküchle mit Vanilleeis für 4,90 € war süß, zimtig, ein bisschen warm, mit leckerem Vanilleeis und ansprechender Anrichtung serviert. Ein leckeres Highlight zum Schluss, klasse!

Fazit zum Test

Urig, kultig, kuschlig? In den Augen vieler ist das „Zum Spätzle“ bestimmt ein Geheimtipp und besetzt eine echte Marktlücke in Hamburg. Mir ist es einfach ein Tick zu eng, laut und warm, als dass ich mich hier richtig wohlfühlen könnte. Wer Spätzle-Fan ist (oder allgemein Fan Schwäbischer Küche), findet im „Zum Spätzle“ in der Hamburger Neustadt sicher eine empfehlenswerte Adresse mit sehr günstigen Preisen und sehr leckerem Dessert. Für mich wäre der Imbiss in Zukunft eher Anlaufstelle für einen Mittagstisch, falls ich mich in der Gegend aufhalte. Abends fehlt mir, auch wenn die hausgemachten Spätzle gut gemacht sind, leider etwas die Raffinesse.

Wart ihr schon im Schwäbischen Imbiss „Zum Spätzle“? Wir würden uns über eure Erfahrungen und Kommentare freuen!

Über den Autoren

Kevin

Gutes Essen und Trinken sind seine Leidenschaft: Besonders Kaffee, Wein und Gin haben es ihm angetan. Bereits im Jahr 2009 ist er mit einem Blog zum Thema Kaffee durchgestartet und hat mit diversen Tests zu Kaffees und Kaffeemaschinen etwa 30.000 Lesern im Monat begeistern können. Seit 2015 widmet er sich mit hamburg-schmackhaft.de nun einem neuen Projekt, das vor allem deshalb spannend ist, weil es thematisch etwas breiter aufgestellt ist und auch Ausflüge "über den Tellerrand" zulässt.

1 Kommentar

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