Restauranttest Unterwegs

Se7en Oceans: Fisch-Spezialist mit Stern und Alsterblick

Se7en Oceans • Ballindamm 40 • 20095 Hamburg (www)

Zugeben: So gern ich gut essen gehe, Restaurants mit einem Michelin-Stern gehören selten dazu. Insofern war die Vorfreude auf den Besuch des Se7en Oceans besonders groß. Wie viele andere gute Restaurants in Hamburg hat macht auch das Se7en Oceans beim Hamburger Schlemmersommer mit, sodass man von Anfang Juni bis Anfang September für 32,- € pro Person ein Menü dort essen konnte. Da wir ohnehin an einem Donnerstag essen gehen wollten, war auch die Einschränkung kein Problem, dass das Schlemmermenü nur von Montag bis Donnerstag verfügbar war.

Das Se7en Oceans hat sich – der Name lässt es vermuten  – auf Meeresfrüchte spezialisiert, bietet vereinzelt aber auch Gerichte mit Fleisch an. Auch beim Schlemmermenü, das sich allerdings auch problemlos vegetarisch bestellen ließ, spielten Meeresfrüchte die Hauptrolle.

Location

Ein Sternerestaurant in einem Einkaufszentrum wie der Europassage, passt das zusammen? Darauf kann ich klar mit „Ja!“ antworten. Wenn man mit dem gläsernen
Fahrstuhl direkt von außen nach oben ins Se7en Oceans fährt, merkt man den Shopping-Trubel um das Restaurant kaum. Um das Restaurant zu erreichen, muss man durch die direkt verbundene Bar, die ich auch recht interessant finde (bei Gelegenheit folgt ein separater Bericht), weil im Innenstadtbereich gediegene Afterwork-Locations leider rar gesät sind, will man nicht in die üblichen überfüllten „Touristenfallen“ geraten.

Aber nun wieder zum Se7en Oceans: Es ist recht klein mit nicht besonders vielen Tischen (Reservierung dringend empfohlen) und war am Donnerstag Abend ab etwa 19:00 Uhr ausgebucht. Neben naturgemäß eher gehobenem Publikum mischen sich während der Schlemmersommer Zeit auch kulinarisch Interessierte, die das Menü probieren möchten. Die Atmosphäre im Restaurant ist insgesamt straight: Weiße Tischdecken, kantige Formen, Stühle mit Lederbezug, einige wenige Pflanzen, dezente Farben. Man fühlt sich ein bisschen wie im Hotel, eine echte Identität durch Individualität hat sich mir aber nicht erschlossen. Es wirkt so, als wäre die minimalistische Raumgestaltung so wie sie ist, um den Fokus auf den herrlichen Ausblick auf die Alster und das Essen zu legen. Das klappt, der Ausblick ist wirklich beeindruckend. Wir hatten das Glück, einen Platz direkt am Fenster zu ergattern und das bunte Treiben auf dem Alstervergnügen beobachten zu können. Was uns allerdings etwas verwundert hat: Bei sonnigem Wetter knallt den Gästen z. T. die Sonne ins Gesicht, insbesondere wenn man am Fenster sitzt. Das ist jetzt nicht weiter schlimm, in einem Sterne-Restaurant hätte allerdings nicht erwartet, dass man die erste halbe Stunde des Essens von der Sonne geblendet am Tisch sitzt. Das ist aber nur ein kleines Detail, was die insgesamt angenehme Atmosphäre nicht besonders getrübt hat, zumal die Sonne dann auch wirklich nach etwa einer halben Stunde hier den Häusern verschwand.

Service

Die Reservierung im Se7en Oceans habe ich telefonisch vorgenommen, um auch gleich ein mal das vegatarische Menü anzumelden. Das hat geklappt… dachte ich. Bis dann – etwa eine Stunde nach meinem Anruf – ein Rückruf kam. Anscheinend wurde die Uhrzeit nicht notiert und es war auch nicht klar, an welchem Datum ich reserviert hatte. Außerdem wollte der Anrufer auch noch meinen Vornamen notieren, weil ich aufgrund einer Dopplung der Nachnamen nicht eindeutig zugeordnet werden konnte. Außerdem wurde ich noch gefragt, ob ich noch eine Bestätigung des Termins per E-Mail haben möchte. Das war mir ganz recht. Prompt erhielt ich eine Mail mit allen Daten. Im Anhang der Mail findet sich der „Reservierungskodex für Sternerestaurants“ der besagt: „Bei weniger als 24 Stunden vor Servicebeginn oder bei Nichterscheinen ohne Absage zum reservierten Zeitraum, entstehen 85,00 € pro Person an Kosten als Aufwandsentschädigung für Waren- und Produktionskosten.“ Kurzum: Wir hätten gemäß dem Falle 340,- € beim unentschuldigtem Nichterscheinen zahlen sollen, wenngleich das Schlemmermenü (ohne Getränke) nur 128,- € für vier Personen kostet. Hat so ein „Kodex“ seine Berechigung? Ich weiß nicht… vielleicht ist hochwertige Küche besonders bei einer so kleinen Location wie dem Se7en Oceans anders wirtschaftlich nicht leistbar. Nichtsdestotrotz: Ich muss sagen, wenn ich so etwas als Gast lese, klingt das für mich nicht nach Gastfreundlichkeit, sondern nach pauschalem Misstrauen.

Vor Ort leistete sich der Service keinen faux pas, fiel aber auch nicht besonders positiv auf. Insgesamt fand ich die Präsentation der Gänge professionell, aber etwas leidenschaftlos und zu auswendig gelernt. Außerdem wurden die einzelnen Bestandteile der Gerichte so leise gesprochen, dass ich am Kopfende meine Mühe hatte, die Einzelheiten zu verstehen. Ein richtige Wohlfühlatmosphäre hat sich im Se7en Oceans nicht ergeben, wenngleich es zugegeben auch an nichts gefehlt hat. Irgendwie ist aber der Funke nicht übergesprungen.

Essen 

Wie bereits eingangs erwähnt, ist das Se7en Oceans auf hochwertige Meeresfrüchte spezialisiert und so wurde auch beim Schlemmersommer-Menü darauf ein deutlicher Schwerpunkt gelegt. Da es (mit Grüßen aus der Küche und Dessert-Variationen) insgesamt sieben Gänge gab, will ich hier darauf verzichten, alle Einzelheiten zu referieren. Insgesamt hat man dem Menü die handwerkliche Klasse angemerkt, die darin steckte. Kleine Portionen mit diversen verschiedenen Zutaten aus verschiedenen Geschmackswelten (süß, fruchtig, salzig…)  fanden sich raffiniert angerichtet auf den Tellern. Als besonderes Highlight haben wir das hausgemachte Algen-Brioche mit ebenso hausgemachtem Kräterquark empfunden, aber auch die weiteren Gänge mit Pulpo (Tintenfisch) haben uns überzeugt.

Besonders auffällig war die sehr gelungene Präsentation des Menüs: So wurden die hausgemachten Brote in Jute-Säckchen serviert, die mit Körner befüllt waren. Dazu wurde der Kräuterquark in dekorativen Fischkonserven serviert. Der erste Gruß aus der Küche war ein Mini-Goldfischglas mit geradezu miniaturisierten Zutaten darin. Der zweite Nachtisch (bestehend u. a. aus kleinen Küchlein) wurde in Holzkisten mit einem Bett aus einem sehr leckeren „Bett“ aus Keksbröseln serviert.

Fazit zum Test

Das Se7en Oceans hat als Sterne-Restaurant einen Hang zum Perfektionismus, was spätestens klar wird, wenn das akribisch angerichtete Essen auf dem Teller vor dem Gast steht, das Miniaturkunstwerken gleicht. Das Schlemmermenü war toll, keine Frage, die etwas sterile Atmosphäre gepaart mit kleinen Schwächen bei Buchung und Service trüben den positiven Eindruck kaum. Trotz Michelin-Stern ist bei mir persönlich der absolute Aha-Effekt aber ausgeblieben. Wer aber direkt an der Binnenalster einmal hochwertig essen möchte, dem sei das Se7en Oceans ans Herz gelegt.

Über den Autoren

Kevin

Gutes Essen und Trinken sind seine Leidenschaft: Besonders Kaffee, Wein und Gin haben es ihm angetan. Bereits im Jahr 2009 ist er mit einem Blog zum Thema Kaffee durchgestartet und hat mit diversen Tests zu Kaffees und Kaffeemaschinen etwa 30.000 Lesern im Monat begeistern können. Seit 2015 widmet er sich mit hamburg-schmackhaft.de nun einem neuen Projekt, das vor allem deshalb spannend ist, weil es thematisch etwas breiter aufgestellt ist und auch Ausflüge "über den Tellerrand" zulässt.

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