Produkttest

Tchibo Cafissimo Mini im Test: kleine Maschine, großer Geschmack

Tchibo Cafissimo ist ein Kaffee-Kapselsystem, das sich seit einigen Jahren neben Nespresso, Tassimo und Dolce Gusto am Markt etabliert hat. Die Tchibo Cafissimo Mini* ist die kleinste im Programm in einer mittlerweile kaum noch überschaubaren Vielfalt an Cafissimo Maschinen*. Für 59,- € (49,- € für TchiboCard Kunden) erhält man hier eine minimalistische Maschine, die genau drei Funktionen hat: Espresso, Café Crema und Filterkaffee (+Tee) aufbrühen. Was die kleine Tchibo Cafissimo Mini kann (Farbe electric blue), berichte ich euch im Test.

Verpackung, Lieferumfang und Garantie

Mini ist nicht nur die Cafissimo Mini selbst, sondern auch der Lieferumfang: Mit der Mini-Kapselmaschine kommt nur noch eine Bedienungsanleitung. Ein Test-Paket mit verschiedenen Kaffee-Sorten zum probieren findet sich nicht im Lieferumfang, was angesichts des günstigen Preises in Ordnung geht. Positiv fällt die 36monatige Garantie auf.

Verarbeitungsqualität und Handhabung

Die Verarbeitung der Cafissimo Mini* ist einwandfrei und durchdacht, auch wenn man sich der Einschränkungen gleich beim Kauf bewusst sein sollte: Der Wassertank ist mit 650ml Füllmenge sehr klein und hohe Tassen passen naturgemäß nicht unter den Zulauf. Wer also sein XXL-Latte Macchiato Glas in der Cafissimo Mini platzieren will, wird seine Probleme bekommen. Eine normale Kaffeetasse aus der IKEA 365+ Serie mit ~10,5cm Höhe ist schon nahe am Maximum, wie man oben den Bildern entnehmen kann. Die Größe der Kaffeemaschine ist aber kein Problem, wenn man wenig Kaffee trinkt: Ansonsten ist man permanent am Wasser nachfüllen und Kapseln ausleeren. Ich denke mehr als vier Kapseln sind für den Auffangbehälter auch zu viel.

Wer mit diesen Einschränkungen umgehen kann, bekommt meiner Meinung nach ein gut durchdachtes System, in dem sich die Einzelteile (z. B. Tropfbehälter und Kapselauffangebehälter) einzeln entnehmen und abspülen lassen. Wer die Cafissimo Mini unter einem Schrank oder einem Regal platzieren will, sollte daran denken, dass der Wasserbehälter nach oben entnommen wird. Das Cafissimo-System ist sprichwörtlich idiotensicher: Bügel hochklappen, Kapsel ansetzen, Knöpfchen drücken (Espresso, Café Creme, Filterkaffee) und schon läuft der Kaffee. Klappt man den Bügel wieder hoch, fällt die verbrauchte Kapsel automatisch in den Auffangbehälter. Die Cafissimo Mini hat auch ein eingebautes Entkalkungssystem.

Betriebskosten und Ökologie

Es ist klar, dass man sich mit einer Kaffeemaschine, die mit Kapseln funktioniert, immer einen Gewinn an Komfort ins Haus holt, der aber auch seinen Preis hat. Das äußert sich dann typischerweise nicht beim Anschaffungspreis der Maschine, sondern bei den Kaffee-Kapseln. Hier die Gramm-Preise mit normalem Bohnenkaffee zu vergleichen, kann Sparfüchsen schnell die Schweißperlen auf die Stirn treiben: Zehn Kapseln Caffé Crema mild kosten etwa bei Tchibo online 2,89 €, also pro Kaffee etwa 29 Cent für 7g Kaffee. Wer den Dreisatz bemüht, kommt am Ende auf einen Kilopreis von 41,28 €. Vergleichen mit dem  Tchibo Caffé Crema Kilopaket als ganze Bohne ist das also etwa der vierfache Preis. Günstigere Alternativkapseln gibt es derzeit wohl keine und wer darüber nachdenkt, die Kapseln nachzufüllen, sollte noch einmal darüber nachdenken, ob ein Kapselsystem wirklich Sinn macht. Der damit verbundene Komfortverlust macht das Nachfüllen in meinen Augen sinnbefreit.

Ansonsten ist die Cafissimo Mini genügsam, was den Stromverbrauch angeht (0,5W im Standy), einen physischen An- und Ausschalter gibt es nicht. Wenn man die Maschine komplett abschalten will, muss man sich z. B. mit einem Steckdosenadapter mit Schalter* weiterhelfen. Was die Ökologie hinsichtlich des Kapselabfalls angeht, kann ich es nicht einschätzen, aber was Tchibo verspricht, klingt jedenfalls so als, als würde es dem „Stand der Technik“ entsprechen (zertifizierter Kaffee, Kapsel-Recycling). Das ändert natürlich nichts daran, dass im Vergleich zum Vollautomaten deutlich mehr Plastikmüll anfällt (ein Kilo Kaffee entspricht 142 Kapseln oder nahezu 450g Plastikmüll), der energieaufwändig produziert und recyclet werden muss,

Kaffee-Zubereitung  und Geschmack

Wie schon oben beschrieben ist die Bedienung kinderleicht. Für die verschiedenen Sorten Kaffee gibt es drei verschiedene Möglichkeiten, diese zuzubereiten. Es gibt drei verschiedene Druckstufen (stark für Espresso, mittel für Café Crema, schwach für Filterkaffee), was bei den Kapselmaschinen meiner Meinung nach einzigartig ist. Wieder einmal gilt hier: Für den erkauften Komfort (ein Knopfdruck), verliert man Einstellungsmöglichkeiten. Zu den Mengen, die jeweils durch die Maschine laufen, konnte ich keine Angaben finden, insbesondere die Menge beim Filterkaffee fand ich aber deutlich zu gering (eine halbe IKEA 365+ Tasse). Dafür lohnt sich die Cafissimo Mini* nicht, auch wenn ich es prinzipiell interessant finde, dass der Kaffee tatsächlich wie beim Filterkaffee aus der Maschine „herauströpfelt“. Eine Kleinigkeit, die mich gestört hat: Die Tassen lassen sich bei der Mini-Maschine nicht so platzieren, dass der Kaffee sanft über den Rand in die Tasse läuft, weil die Cafissimo nicht tief genug ist – so würde die Crema evtl. noch besser gelingen.

Die Lautstärke beim Zubereitungsvorgang ist nicht „Mini“, sondern eher „Maxi“ und damit durchaus vergleichbar mit einem ausgewachsenen Kaffee-Vollautomaten. Dafür braucht sich das Ergebnis aber auch geschmacklich nicht vor dem Kaffee-Vollautomaten verstecken: Die Cafissimo Mini zaubert Espressi und Schümli-Kaffees in hoher Qualität in die Tasse mit beständiger Crema und – je nach Kaffee – charakteristischem Geschmack. Gerade wenn man sich nicht mit Einstellungen eines Vollautomaten auseinandersetzt, dürften die Ergebnisse vielfach besser sein als typischer Vollautomaten-Kaffee aus einer Maschine, die nie richtig eingestellt worden ist. Mir persönlich fehlt bei der Cafissimo Mini aber die Möglichkeit, Milch aufzuschäumen für Cappuccino – daher habe ich hier mal meinen Kaffee-Vollautomaten bemüht. Hier zeigen sich die Qualitäten der Cafissimo schon recht deutlich sind: Auch mit dem geschmacksdämpfenden Milchgeschmack konnte sich der Espresso gut durchsetzen. Cafissimo Maschinen mit Aufschäum-Möglichkeiten beginnen ab 99,- € (Cafissimo Classic Professional*). Mit automatischer Milchaufschäumung gibt es etwa die Cafissimo Latte Professional für 199,- €*. Wer mit der Cafissimo Mini liebäugelt kann aber auch überlegen, einen externen Milchaufschäumer zu verwenden. Ideal sind meiner Meinung nach Induktionsaufschäumer, die sich komfortabel nutzen und reinigen lassen, dabei aber wirklich sehr guten Milchschaum produzieren. Im Büro nutzen wir etwa den Philips Senseo Twister*, der sehr gut funktioniert, aber auch Tchibo hat solche Aufschäumlösungen im Angebot.

Fazit

Die Cafissimo Mini ist eine sehr kompakte Kapsel-Kaffeemaschine mit vorhersehbaren Einschränkungen. Dafür ist sie hervorragend verarbeitet, kommt mit 36 Monaten Garantie und brüht sehr leckeren Espresso und Café Crema. Die Filterkaffee-Funktion funktioniert, ich empfinde sie aber (ebenso wie die Tee-Kapseln) eher als Gimmick, weil die Füllmengen für Filterkaffee und Tee einfach zu gering sind. Zusammen mit einem Induktionsaufschäumer ist die Cafissimo Mini* eine gute Lösung, um leckeren Cappuccino herzustellen, empfiehlt sich aber aufgrund der hohen Folgekosten beim Kaffee eher für Wenigtrinker.

Über den Autoren

Kevin

Gutes Essen und Trinken sind seine Leidenschaft: Besonders Kaffee, Wein und Gin haben es ihm angetan. Bereits im Jahr 2009 ist er mit einem Blog zum Thema Kaffee durchgestartet und hat mit diversen Tests zu Kaffees und Kaffeemaschinen etwa 30.000 Lesern im Monat begeistern können. Seit 2015 widmet er sich mit hamburg-schmackhaft.de nun einem neuen Projekt, das vor allem deshalb spannend ist, weil es thematisch etwas breiter aufgestellt ist und auch Ausflüge "über den Tellerrand" zulässt.

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