Grillequipment Produkttest

Weber Gasgrill Spirit E-210 Original im Test: Qualität hat seinen Preis?

Nachdem ich mich nun lange Jahre mit einem günstigen, aber recht großen Gasgrill mit vier Brennern begnügt habe, musste nun aufgrund des aufkommenden Rosts etwas Neues her. Aufgrund meiner Recherchen im Netz und nach Besichtigung im Baumarkt ist es der Weber Spirit E-210 Original* geworden, obwohl ich zugegebenermaßen meine Vorurteile hatte: Weber ist zwar ein Synonym für Grills, war für mich aber immer mit einer Art „iPhone-Status“ bemakelt. Ich dachte einfach, hier zahlt man einfach ganz erheblich drauf, nur damit man am Ende einen „Weber“ sein eigen nennen darf.

Mit 549,00 € war er auch nicht unbedingt ein Schnäppchen, wenn ich bedenke, dass mein (im Winter 2014) bei ebay ersteigerter Noname-Grill sage und schreibe 140,00 € gekostet hat… . Die Erwartungen waren an die Qualität waren dementsprechend sehr hoch. Ob der Weber Spirit E-210 Original diesen gerecht werden konnte, lest ihr in meinem Testbericht!

Vorweg: Warum der Weber E-210 Original?

Die Namensgebung bei Weber ist nicht ganz einfach. Statt nur schlicht verschiedene Typennummern zu verteilen, gibt es bei Weber drei verschiedene Weber E-210, und zwar:

Zwischen den genannten Grills gibt es trotz der optischen Ähnlichkeit doch einige Unterschiede. Ich hatte im Baumarkt die Wahl zwischen Weber E-210 Classic und Original. Die etwas größere Version Weber E-310 Original wäre zwar auch eine Variante gewesen (mit drei Brennern), ist mir aber für den Balkon doch deutlich zu groß, vor allem, da man hier die Seitentische nicht einklappen kann. Kurioserweise geht das bei allen E-210 Varianten problemlos. Ausschlaggebend bei der Wahl für den Original, der etwas teurer ist als der Classic (etwa 100,00 €), war, dass der Classic zum einen nur emaillierte Grillroste hat und es statt einer richtigen Tür nur eine einfache Abdeckung gibt, die meines Erachtens optisch schlicht nicht so schön ist. Ob nun Piezo-Zündung (Classic) oder elektrische Zündung (Original) war für mich weniger ausschlaggebend. Dank der Abmessungen von 115.6cm x 127cm x 61cm (geschlossener Deckel, Höhe x Breite x Tiefe) und nur 75cm Breite bei heruntergeklappten Ablageflächen passt der Weber Spirit E-210 Original* auch auf kleine Balkone.

Verpackung und Aufbau

Obwohl der Weber E-210 Original noch zu den kleinsten Weber Gasgrills gehört (die Q-Serie ausgenommen), ist der Karton doch vergleichsweise unhandlich. Wir sind per Carsharing mit einem Mini zum Baumarkt – das war grenzwertig, passte aber mit umgeklappten Sitzen gerade eben. Alle Teile waren sehr sorgfältig verpackt mit dickem Karton, sodass allein das Auspacken schon recht viel Zeit in Anspruch nimmt. Schon während des Auspackens wird deutlich, wie hochwertig und schwer die einzelnen Bestandteile des Weber Gasgrills – auch im Vergleich zu meinem alten Noname-Grill – wirken.

Dank der ausführlichen und gut bebilderten Anleitung ging der Aufbau des Weber Sprit E-210 Original recht flott vonstatten. Wir haben zu zweit geschätzt etwas über eine Stunde gebraucht. Das nötige Werkzeug (außer Hammer und Schraubendreher) liegt bei und die Schraubenpakete sind deutlich mit Buchstaben markiert, sodass für die einzelnen Schritte keine Zweifel bestehen, welche Schraube wohin gehört. Mini-Kritikpunkt: Es fehlte bei uns eine Unterlegscheibe… dafür war ein anderes Teil zu viel im Paket.

Weitere Kritik: Ich benutze nicht bloß einen einfachen Druckminderer* (so etwas gehört beim Weber Grill zum Lieferumfang), sondern einen Rowi Gas Druckregler* mit doppelter Überdrucksicherung und Manometer. Das würde ich aus Sicherheitsgründen auch jedem empfehlen, der mit Gasgrills hantiert, weil es hinsichtlich der Sicherheit einen Mehrwert bedeutet. Zum einen könnt ihr mit dem Manometer eine komfortabel eine Dichtigkeitsprüfung durchführen, zum anderen unterbricht die Überdrucksicherung die Gaszufuhr, sollte der Schlauch reißen. Meine Kritik ist aber gar nicht, dass dieses sicherheitsrelevante Teil nicht zum Lieferumfang gehört. Vielmehr hat es mich beim Aufbau schlicht 10min gekostet, die Verschraubung von Schlauch und Druckminderer zu lösen. Diese war nur zu zweit und mit Zangeneinsatz zu lösen, weil die beiden Teile dermaßen stark verschraubt waren (Achtung: Rechtsgewinde beachten!).

Weber Spirit E-210 Original im Betrieb

Wenn der Weber Spirit E-210 Original erst mal mit Gasflasche steht, wirkt er stabil und hochwertig. Ganz anders als im Baumarkt, wo der Vorführgrill wohl nicht allzu perfektionistisch aufgebaut worden ist, klappert hier nichts. Die anfänglich klappernden Flammenbleche (bei Weber: „Flavorizer Bars“ bzw. „Aromaschienen“) setzen sich aufgrund der Hitze nach dem ersten Grillen, sodass auch diese nicht mehr klappern. Ein nicht zu unterschätzender optischer und praktischer Vorteile gegenüber vielen Noname-Grills ist auch, dass man die Gasflasche überhaupt in das Fach unter den Rosten einstellen darf. Mein alter Grill hatte hier zurecht Warnhinweise angebracht, weil es unter dem Grill recht warm wurde. Beim Weber E-210 Original habe ich da ein deutlich besseres Gefühl, weil die Hitzeenentwicklung nach unten marginal ist.

Das Anfeuern des Grills ist auch etwas anders als bei meinem alten Grill. Dieser war – wie auch der Weber E-210 Classic – mit Piezo-Zündungen ausgestattet, wohingegen der E-210 Original mit einer elektrischen Zündung ausgestattet ist, die auch eine AA-Batterie braucht. Bei dieser Zündung dreht man einfach das Gas auf und bestätigt den kleinen Schalter links von den Gasreglern. Das zweite Brennelement lässt sich dann einfach über den zweiten Gasregler entzünden, ohne dass man erneut die Zündung drücken muss. Das funktioniert alles sehr komfortabel.

Allzu viel Fläche zum indirekten Grillen bleibt beim Weber Spirit E-210 Original* nicht, weil er eben „nur“ zwei Brenner hat. Man kann den Grill natürlich nur mit einer Flamme betreiben, dann muss man allerdings auch mit der halben Fläche zum direkten Grillen auskommen. Mir persönlich reicht das! Die Hitzeentwicklung des Weber Spirit E-210 Original ist m. E. sehr gut. Mit nur zwei Brennern bei nicht besonders kleiner Grillfläche (52 x 44cm, der Weber E-310 Original hat auch „nur“ 60 x 44cm!) heizt sich der Gasgrill recht schnell auf. Bei etwa 15° C Außentemperatur habe ich gemessen (alle Angaben ca.):

  • 50° C in 1:30 Min
  • 100° C in 2:55 Min
  • 150 °C in 6:53 Min
  • 200° C in 10:22 Min
  • 250° C in 11:45 Min
  • 300° C in 16:32 Min

Damit sind also auch dicke Rumpsteaks möglich, die dank der Gusseisen-Roste auch ein typisches „Grill-Branding“ bekommen. Viele günstige Grills erreichen diese Temperaturen erst gar nicht oder nur durch u. U. gefährliche Modifikationen (unter dem Stichwort „Scheunentor schließen“ im Netz zu finden). Das hat jetzt auch schon bei den ersten Versuchen einwandfrei geklappt. Mir erscheint auch die Hitzeentwicklung sehr homogen. Bei meinem alten Grill sind bspw. bei Datteln im Speckmantel in einer Grillschale immer einige deutlich dunkler geworden als andere und jedes mal sind ein paar regelrecht „festgebrannt“. Beim Weber Spirit E-210 Original* ist das zum ersten Mal nicht passiert.

Im Betrieb waren für mich auch die recht spitz zulaufenden Flammenbleche von Vorteil, weil das Fett daran schnell abläuft, sodass es zu vergleichsweise wenig Flammenbildung kommt, auch bei fettigem Grillgut. Hier war ich von meinem Noname-Grill auch deutlich mehr Flammenbildung gewohnt. Ausgeklügelt und zurecht oft gelobt im Netz ist auch das System der Fettauffangschalen: Hier läuft das Fett erst in eine größere Wanne, die eine Art Rutsche bildet und am Ende eine Öffnung hat. Durch diese Öffnung läuft das Fett in einen Auffangbehälter, in den man eine Grillschale stellen kann. Ist die Schale voller Fett, kann man diese komfortabel entsorgen. Putzen muss man natürlich trotzdem, besser als bei den meisten anderen Grills ist es allemal.

Service und Garantie

Weil der Weber E-210 Original natürlich ein langlebiger Gasgrill sein soll, es aber gleichzeitig nicht auszuschließen ist, dass mal etwas kaputt geht, ist für mich die Ersatzteilversorgung wichtig. Die soll – so liest man es jedenfalls im Netz – bei Weber ziemlich einmalig gut sein. Bei meinem alten Grill hatte ich selbst erhebliche Probleme, passende Gusseisen-Grillroste zu bekommen und habe mich schließlich mit nur halbwegs passenden zufrieden gegeben. Auch der Service soll bei Weber sehr gut sein, bisher jedenfalls habe ich aber noch keine Erfahrungen gemacht. Sicherheitshalber habe ich meinen Grill aber schon bei Weber registiert. Nach dem Studium der Weber-Garantiebedingungen gibt es folgende Garantien auf den Weber Spirit E-210 Original (Stand: 11.09.2017):

  • 10 Jahre auf Aluminiumgussteile, Deckel und Brenner
  • 5 Jahre auf die Grillroste
  • 2 Jahre auf den Grillwagen, die Zündung, Aromaschienen und alle weiteren Teile

Fazit: Erwartungen erfüllt!

Der Weber Spirit E-210 Original ist für mich der ideale Balkon-Grill für gehobene Ansprüche. Nachdem mein alter Gasgrill langsam durchgerostet ist, hoffe ich, dass Weber gehobene Langzeit-Qualität bietet. Angesichts der optischen und haptischen Qualität der verbauten Teile und der Verfügbarkeit von Ersatzteilen habe ich hier begründet gute Hoffnungen.

Den eingangs erwähnten „iPhone“-Status kann der Weber mit dem saftigen Preis von 549,00 € zwar nicht ganz abschütteln, aber dafür hat man einen optisch sehr schönen, kompakten Grill, der hoffentlich deutlich länger Freude bereitet als mein letzter… . Mit zwei einklappbaren Seitenablagen nimmt der Gasgrill in der Breite nur 75cm an Platz und dank der zwei Brenner dürfte er sparsam gegenüber günstigeren Grills sein. Auch meine erwartete Temperatur von > 300° C ist in etwas über einer Viertelstunde erreicht. Dank des durchdachten Aufbaus macht auch die Reinigung mehr Spaß als bei Noname-Grills. Ob ich jetzt aber beim Weber Zubehör in einen Kaufrausch verfalle, ist fraglich… beim Blick auf den Preis von knapp 90,00 € für eine Weber-Abdeckhaube* aus Plastik kann einem doch die Shopping-Laune wieder verfliegen.

Wie seht ihr das? Lohnt sich ein teurer Weber Grill oder reicht euch Noname?

Über den Autoren

Kevin

Gutes Essen und Trinken sind seine Leidenschaft: Besonders Kaffee, Wein und Gin haben es ihm angetan. Bereits im Jahr 2009 ist er mit einem Blog zum Thema Kaffee durchgestartet und hat mit diversen Tests zu Kaffees und Kaffeemaschinen etwa 30.000 Lesern im Monat begeistern können. Seit 2015 widmet er sich mit hamburg-schmackhaft.de nun einem neuen Projekt, das vor allem deshalb spannend ist, weil es thematisch etwas breiter aufgestellt ist und auch Ausflüge "über den Tellerrand" zulässt.

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