Gastronomie

Brewdog St. Pauli im Test: Craftbeer-Welten in den Tanzenden Türmen

Brewdog St. Pauli • Reeperbahn 1, 20359 Hamburg (www)

Vor gar nicht allzu langer Zeit hat das Brewdog in den Tanzenden Türmen auf St. Pauli eröffnet. Die Craftbeer-Bar unter dem Label Brewdog ist Teil eines Craftbeer-Imperiums, das seine Ursprünge im Jahr 2007 in Schottland fand. Das Brewdog auf St. Pauli ist eine von mittlerweile über 70 Bars, die das Unternehmen betreibt, die meisten davon in Großbritannien. Ob die Marke Brewdog – die zu nicht unerheblichen Teilen auf Crowdfunding basiert (“Equity for Punks”) – mich überzeugen kann, lest ihr natürlich in unserem ausführlichen Test.

Location

Die Tanzenden Türme sind natürlich eine Instanz auf St. Pauli. Ganz unten direkt am Beginn der Reeperbahn findet ihr das Brewdog, das riesige Ausmaße hat. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, allein die Außenplätze an der Straße zu zählen, aber auch innen bietet das Brewdog wirklich enorm viel Platz. Die Außenplätze direkt an der Straßen waren an einem Septembertag zwar noch sonnig, dafür aber etwas direkt an der Straße gelegen. Der zweite Sitzbereich am Vordereingang war zwar deutlich ruhiger, aber schon schattig, sodass ich mich letztlich für einen Innenplatz entschied, den ich vorher für zwei Personen reserviert hatte. Zur Reservierung gibt es zwei interessante Dinge zu sagen: Zum einen ist die Online-Reservierung komplett auf Englisch und man muss zwingend eine Endzeit angeben. Zum anderen wollte ich an einem Mittwoch Abend gegen 19 Uhr reservieren am Vortag und es war bereits “ausgebucht”, sodass ich am Donnerstag reservierte. Da das Brewdog am Donnerstag aber nicht besonders stark frequentiert worden ist, denke ich, ich hätte den Besuch des Brewdog mit großer Wahrscheinlichkeit auch ohne Buchung am Mittwoch verabreden können.

Außen wie auch innen geht herrscht eine Mischung aus Shabby-Shic und Industrial Style, wobei das Brewdog trotz dunkler Hölzer, einem Betonboden und der Punk-Attitüde (“Beeranarchists since 2007”) dabei doch sehr clean wirkt. Das fängt eigentlich die Widersprüchlichkeit des Konzepts gut auf: Kann man gleichzeitig “Craftbeer-Anarcho” sein und gleichzeitig ein schnell wachsendes Systemgastronomie-Unternehmen? Naja, sei’s drum… mir gefällt die Optik des Ladens sehr gut. Die Detailverliebtheit ist enorm – gerade vor dem Hintergrund, dass es sich um Systemgastronomie handelt (allein die Biernamen, herrlich!).

Innen lässt es sich sehr gut sitzen, u. a. in Sitznischen mit gepolsterten Ledermöbeln, die ich gemütlich fand. Weniger ideal ist die Akustik: Die enorme Deckenhöhe und die riesigen Flächen des Brewdog St. Pauli gepaart mit Musik in gemäßigter Lautstärke führt dazu, dass man sich doch etwas lauter unterhalten muss. Wenn der Laden – wie an dem Donnerstag, an dem ich dort war – nicht besonders stark besucht ist, ist das Brewdog für eine Bar nach meinem Gefühl auch fast schon zu groß, um echte Gemütlichkeit aufkommen zu lassen.

Service

Einen richtigen Empfang oder dergleichen gab es nicht. Wir sind durch Zufall über die Reservierung gestolpert, die mit dem Vornamen und der Uhrzeit gekennzeichnet war. Dann war uns ein paar Minuten nicht klar, ob es eine Bedienung gibt oder nicht. Hinweise dazu haben wir nicht gesehen. Erst nach Beobachtung der anderen Gäste erschloss sich das Konzept: Bestellt wird an der Bar. Das gezapfte Bier kann man sich gleich mitnehmen, das Essen wird hingegen gebracht. Das klappte alles tadellos, auch wenn manche Routinen wohl noch nicht so eingespielt wirken. Da es eigentlich nur typische Fast-Food Gerichte zu bestellen gibt und das Bier auch sofort aus der Leitung kommt, hat die Wartezeit von knapp über einer Stunde für zwei Burger mit Pommes doch enttäuscht, zumal dann auch noch die (aufpreispflichtige) Mayo vergessen worden ist.

Benutztes Besteck und Gläser wurden nach dem Essen schnell abgeräumt und wir wurden dann höflich gefragt, ob wir noch etwas anderes bestellen wollen. Das haben wir bejaht und dann die “Flucht nach vorn” bestellt. Dabei handelt es sich um ein Tasting-Angebot, bei dem vier kleine Biere serviert werden, die man sich jeweils aussuchen kann. Die Karte sagt dazu: “Das Tasting mit vier zu einem Drittel gefüllten Pints […]”. Das ist etwas verwirrend, aber eigentlich ganz einfach. Man bekommt vier schicke kleine Gläser Bier mit jeweils 175ml Inhalt, zusammen also 700ml und kann dabei die ganze Brewdog Craftbeer Palette in Anspruch nehmen. Der Preis wird dabei individuell nach dem jeweiligen Bier bestimmt. Wir haben in diesem Fall die Auswahl dem Experten vor Ort überlassen und dabei nach größtmöglicher geschmacklicher Varianz gefragt. Das hat auch wunderbar geklappt und die Präsentation zu den einzelnen Bieren hat mir sehr gut gefallen.

Essen & Getränke

Essenstechnisch bietet das Brewdog klassische Fast-Food Küche, u. a. mit Burgern, Salaten und Chicken Wings, wobei die Karte sehr ansprechend und kreativ gestaltet ist. In der “grünen Ecke” gibt es ein gutes vegetarisches sowie auch veganes Angebot. Ich habe mich für den Beyond Meat-Burger für 11,50 € entschieden, nachdem ich beim derzeitigen Hype der veganen Burger-Patties bei Lidl nur die sehr wohlschmeckenden Next Level Burger testen konnte. Meine Begleitung entschied sich für den ganz klassischen Burger “Patriot” für 10,- €. Beilagen kosten jeweils extra. Wir bestellten einmal die normalen Pommes für 3,- € und die Süßkartoffel-Pommes für 3,50 € dazu und die Bier-Empfehlung “Punk IPA” (0,5 l) für stattliche 6,50 € pro Glas.

Die Burger waren völlig in Ordnung, wenn auch geschmacklich kein besonderes Highlight. Ich kann aber jedem empfehlen, sich mal an ein veganes Patty zu wagen. Auch wenn das Patty für meinen Geschmack auf dem großen Burger deutlich zu klein war. Hat man sich erst mal zum Beyond Meat Burgerpatty durchgearbeitet, sind die Unterschiede zu einem normalen Fleischpatty wirklich marginal. Die vegane Mayonnaise finde ich hingegen geschmacklich eher mittelmäßig. Die Pommes waren wunderbar, wobei das Servieren in der Tasse die Pommes schnell aufweicht. Hier ein Körbchen oder dergleichen wohl besser. Die Portion war mir persönlich – was mir sehr sehr selten passiert – etwas zu klein.

Nun aber zum eigentlichen Argument für das Brewdog: Bier. Sehr schmackhaft war der Topseller, das “Punk IPA”. Mit einem typisch fruchtigen, aber milden Indian Pale Ale Geschmack hat mir dieses Bier sehr gut gefallen. Erst die “Flucht nach vorne” mit der Tasting-Runde hat dann aber zutage gefördert, was die Zapfhähne im Brewdog hergeben: Die Craftbiere mit den klangvollen Namen Hazy Jane, Sam Saint, Jet Black Heart und Kiwi Calvacade waren – wie bestellt – eine Reise durch die Geschmackswelten des Craftbieres. Während das Hazy Jane noch durch feine Fruchtnoten punkten konnte, war das dunklere Sam Saint schon recht malzig-herb. Das Jet Black Heart war dann schon fast aufdringlich schokoladig. Am Ende dieser geschmacklichen Reise stand dann das Kiwi Calvacade, ein Bier so sauer, dass es uns fast die Schuhe ausgezogen hat.

Am Ende des Abends haben wir pro Person (inkl. Trinkgeld) 35,- € bezahlt. Das ist, angesichts des guten, aber nicht herausragenden Essens und der leckeren Biere sicherlich völlig in Ordnung. Insbesondere die “Flucht nach vorne” als Tasting-Paket kann ich durchaus weiterempfehlen.

Fazit zum Test

Das Brewdog ist für mich in erster Linie eine Bar, die mit der großen Vielfalt frisch gezapfter (aber nicht ganz günstiger) Craftbeer-Sorten punkten kann. Vor allem das Probierpaket (“Flucht nach vorne”) mit vier frisch gezapften kleinen Bieren á 175ml konnte mich überzeugen. Daneben gibt es grundsolides Essen, das im Test in der Zubereitung mit etwa einer Stunde Wartezeit zu lange gedauert hat. Trotz der hier und da vorhandenen Kritik spreche ich gern eine Empfehlung aus, das Brewdog auszuprobieren.

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Wart ihr schon im Brewdog St. Pauli in Hamburg? Wir würden uns über eure Erfahrungen und Kommentare freuen!

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