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Hambuca vs. Sambuca: Der Hamburger Anis-Likör im Test

Letztens habe ich mir bei der 040 Spirits, einer Spirituosenmesse in Hamburg (zum Bericht zur Messe) einen Anis-Likör mit dem schönen Namen “Hambuca” mitgenommen. Ich fand die Präsentation des Schnaps’ aus Hamburg recht sympathisch und mir hat der Hambuca auch auf der Messe recht gut geschmeckt – wobei ich zugegben muss, dass ich auch ansonsten ein Sambuca Fan bin. Grund genug den Anis-Likör einmal gegen einen klassischen Sambuca im Geschmackstest antreten zu lassen. Bevor ihr fragt: Der Hambuca kostet z. B. auf Amazon derzeit 25,99 € (0,5l Flasche)*.

Wer steckt hinter Hambuca?

Der Gründer, mit dem ich einen kurzen Plausch auf der Messe halten durfte, heißt Kristof Hesse und ist hauptberuflich Sozialpädagoge. Er hat die Hambuca UG nebenberuflich gegründet. Wie so oft (siehe etwa unser Bericht zum Tonka Gin) wird auch der Hambuca nicht in Hamburg gebrannt, sondern auf dem platten Land in Schleswig-Holstein. Halb so wild, wir Norddeutschen halten ja zusammen und ein Hamburger Original ist der Hambuca ja auch so.

Verpackung und Preis

Der Hambuca ist schick aufgemacht, so wie man es von einem modernen Produkt gewöhnt ist. Passt auf Instagram, macht sich gut in der Hausbar! Kann man nicht anders sagen. Das maritime Design mit dem hellen Etikett und dem im Logo wohl angedeuteten Schiffssteuerrad sieht frisch aus und taucht auch auf dem Korken wieder auf. Was das Design angeht, macht der Hambuca wie ich finde alles richtig und die Verbindung mit der Stadt Hamburg macht den Anis-Likör sicher für viele auch zu einem klasse Geschenk.

In Sachen Preis muss sich der Hambuca aber ganz klar gegenüber dem regulären Sambuca geschlagen geben. Meine Literflasche aus dem Flughafen Duty-Free kostete 16,99 € (=Literpreis) und auch bei Amazon liegt die klassische Sambuca Konkurrenz* eher um ~20,- € Literpreis. Der Hambuca ist da mit einer 0,5 Liter Flasche für 25,99 € (Literpreis 51,98 €) recht hoch platziert. Wenn es also sprichwörtlich nur um den “Bang for the Buck” – also einen günstigen Partydrink – geht, der ist wohl bei Hambuca nicht ganz richtig aufgehoben. Kleiner Nachteil zudem auch gegenüber vielen anderen handelsüblichen Sambuca-Flaschen: Der Hambuca kommt mit Korken und ohne speziellen Ausguss zum einschenken in Kurze-Gläser. Das Einschenken mit meinem Duty-Free Sambuca geht deutlich eleganter und kleckerfreier.

Duft & Geschmack: Hambuca vs. Sambuca

Schon beim Einschenken fallen die Unterschiede zwischen den beiden Schnäpsen deutlich auf. Auffällig ist natürlich die dunkle Farbe des Hambuca, die vom Ahornsirup her stammt, der eine Hauptzutat des Hambuca Anis Likörs. Weitere Abweichung gegenüber dem klassischen Sambuca, was dem geschulten Sambuca-Kenner wahrscheinlich ins Auge sticht: Die beim Sambuca typischerweise gut sichtbaren Zuckerkristalle (~350g/Liter sind im Sambuca enthalten!) sind im Hambuca nicht sichtbar und er wirkt gegenüber dem Klassiker auch etwas dünner im Glas. Dazu habe ich auf der Homepage nachgelesen: Es ist kein raffinierter Kristallzucker enthalten. Ich schätze mal, dass hier der Ahornsirup das einzige Süßungsmittel ist.

Vom Duft her unterscheiden sich die beiden Kontrahenten schon deutlich. In der linken Ecke des Rings der Sambuca. Ganz klassisch ohne Überraschungen tritt er klar im Glas auf, etwas einfach und schnörkellos. Dominant ist beim Sambuca minzige Frische kombiniert mit Anis-Duft – die Alkoholnoten (38%) sind sehr zurückhaltend. Dagegen kommt der Hambuca etwas kantiger daher. Der Duft wird der dunklen Farbe gerecht: Zwar hat er auch eine deutliche Anisnote, duftet aber kräftiger und holziger und auch der Alkhol (42%) ist – wenngleich nicht übermäßig dominant – schon deutlicher zu riechen als beim Sambuca. Ich ahne hier schon: Die Komplexität ist etwas höher beim Hambuca.

Geschmacklich ist das beim Sambuca wie immer… muss ich das wirklich beschreiben? Der Sambuca ist eben der Klassiker unter den Anis-Likören und relativ mild und frisch. Er entfaltet seinen intensiven Anis-Geschmack eher im Abgang und ist einfach ein leicht bekömmlicher Schnaps, der – fast – jedem schmeckt. Übrigens habe ich bisher zwischen verschiedenen Marken relativ geringe Unterschiede feststellen können, was wohl auch am traditionellen Rezept liegt. Ich kann euch z. B. neben meinem Borghetti Sambuca* hier aus dem Test auch den Molinari Sambuca extra* empfehlen – hier tun sich geschmacklich keine Welten auf.

Das ist beim Hambuca anders! Wie auch schon beim Duft ist der Hambuca hier ein bisschen ausdifferenzierter und für meinen Geschmack kein typischer Partyschnaps, sondern – trotz der Nähe der Namen – durchaus deutlich zu differenzieren gegenüber dem herkömmlichen Sambuca: Der Likör hat nicht nur eine deutlich Anis-Note, sondern auch einen karamelligen Geschmack. Vom Mundgefühl her ist er etwas dünner als normaler Sambuca, was denke ich am fehlenden Industriezucker liegt. Dabei kommt auch eine etwas stärkere Alkoholnote zum tragen, die für meinen Geschmack nicht unangenehm ist, aber gegenüber dem klassischen Sambuca mit sehr viel Zucker sicher nicht jedem zusagen wird. Schmeckt jetzt einer von beiden besser? Ich finde nicht: Ich finde beide haben ihren Reiz. Der Sambuca ist einfach ein traditionsreicher, leicht bekömmlicher Schnaps, mit dem ihr nie etwas falsch macht. Trotz der Namensähnlichkeit ist der Hambuca etwas “anstrengender” zu trinken, belohnt aber durch eine höhere Komplexität mit fein holzig-karamelligen Noten.

Fazit

Ich finde das Produkt Hambuca ziemlich sympathisch. Auch wenn es ein bisschen mehr im Portemonnaie wehtut gegenüber dem klassischen Sambuca, gefällt mir das Produkt mit dem regionalen Ansatz und dem geschmacklich doch recht anderen Ansatz. Hier wird das Konzept “Sambuca” zwar aufgegriffen durch den Anis-Anteil, aber durch den Ahorn-Sirup erfrischend neu erfunden. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Hambuca in naher Zukunft in einigen Hamburger Bars gefunden werden wird und die dekorative Flasche für viele auch eine tolle Geschenkidee darstellt. Probieren lohnt sich! Wie schon oben erwähnt, könnt ihr den Hambuca z. B. bei Amazon bestellen*.

P. S. Der Hambuca brennt (im Gegensatz zum Sambuca) nach dem Anzünden nicht selbständig weiter ;).

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