Gastronomie

Restaurant Genno’s im Test: Zu Gast bei Freunden

Restaurant Genno’s • Hammer Steindamm 102, 20535 Hamburg (www)

Mindest vier Anläufe, einige Jahre und einen Restaurant-Umzug hat es gebraucht, damit das Restaurant Genno’s und ich zusammenkommen: Das Restaurant, das bereits seit 1987 in Hamm-Nord zu finden ist, ist so klein, dass eine Reservierung gut geplant sein will. So sind meine Reservierungsversuche lange Zeit gescheitert, Stichwort: “Ausgebucht!” Nachdem das Restaurant nun aber vor nicht allzu langer Zeit in einen schicken Neubau am Hammer Steindamm umgezogen ist, habe ich es erneut versucht und es hat geklappt. Wie es war, schildere ich euch gern in meinem Testbericht.

Location

Es würde dem Charakter dieses Restaurants keineswegs gerecht werden, es einfach nur als “klein” zu bezeichnen. Dennoch: Der Gastraum des Genno’s ist kaum größer als so manch ein Wohnzimmer und dürfte etwa 24 Plätze fassen. Dabei ist das gesamte Restaurant stilvoll minimalistisch gehalten und ist insgesamt sehr clean. Aufmerksame Gäste werden aber sicher einige Details mit einem gewissen Augenzwinkern entdecken; sei es der Smiley in einfachen Lettern am Eingang unter dem Schriftzug “Willkommen”, der in Zeiten blinkender Emojis in Knallfarben fast schon anachronistisch wirkt. Oder der auf der Herrentoilette am Pissoir in ein Passepartout eingekleidete Plastikfisch “Slippery Dick” (zu deutsch natürlich: Zweistreifen-Lippfisch).

Darüber hinaus versprüht das Genno’s einen speziellen Wohnzimmer-Charme, der für mich in dieser Form einzigartig ist. Und das liegt nicht nur an den wenigen Plätzen im Restaurant. Was das von lediglich zwei Männern betriebene Restaurant gerade in der heutigen Zeit so auszeichnet ist, dass es ein echter Gegenentwurf zu hyperskalierenden Business-Modellen und Trends ist, die auch vor dem Gastronomiebereich keinen Halt machen. Soll heißen: Kein Hipster-Look mit freiliegendem Backstein, keine Burger, keine unübersichtliche Karte und kein austauschbarer Service, der dich dutzt, weil es zur Corporate Identity gehört.

Ganz praktisch heißt das, das man im Genno’s auf bequemen Stühlen bzw. Bänken relativ eng aneinander sitzt – zumindest an den Zweier-Sitzplätzen. Das stört aber nicht. Die Musik läuft dezent im Hintergrund und die Akustik ist in dem Neubau so gut, dass man nicht von den Gesprächen anderer Gäste zwangsbeschallt wird.

Service

Das Servicepersonal besteht – wie schon oben angedeutet – aus lediglich einer Person. Wir wurden freundlich begrüßt und zu unserem reservierten Platz geführt. Zusätzlich zur übersichtlichen Speisekarte (eine Seite!) wurden uns dann noch einige Tagesgerichte erläutert. Die ruhige Art und der gut verständliche Vortrag haben mir sehr zugesagt und auch die fachkundigen Erläuterungen zu dem von mir bestellten “Landgang”-Bier aus Hamburg Altona überzeugten.

Die One-Man-Show im Service ist sicher nicht immer leicht, selbst bei dieser Restaurant-Größe. Hier sieht man aber eine Routine und Gelassenheit, die ihresgleichen sucht. Übrigens scheint das auch für die Küche zu gelten: Der Koch kam zwischenzeitlich kurz einmal aus der Küche, um den Gästen Hallo zu sagen und das mit einer ungespielten Freundlichkeit, sodass wir uns wirklich willkommen gefühlt haben.

Essen & Getränke

Die Karte des Genno’s ist übersichtlich: Es gibt fünf feste Vorspeisen, vier feste Hauptgerichte und derzeit eine Nachspeise (Mousse au Chocolat). Dazu gesellen sich – wie bereits oben erwähnt – jeweils einige Tagesspezialitäten. Die Hauptgerichte lassen sich grob in Pasta- und Fleischgerichte aufteilen. Vegetarier werden hier fündig, Veganer eher nicht.

Als “Gruß aus der Küche” wurde uns ein warmer Spinat-Kuchen mit Gorgonzola serviert. Trotz meiner Aversion gegen Gorgonzola hat dieser milde Käse mich überzeugen können. Dazu habe ich mir das Hausbier (“Landgang”) aus Hamburg Altona bestellt für 3,50 €. Das hat mir dann auch direkt so gut geschmeckt, dass ich später noch eins genommen habe. Auch die sonstigen Getränkepreise sind nach meinem Gefühl mehr als fair: Eine große Flasche Wasser kostet 6,- €, eine kleine Fritz Cola 2,50 €.

Als Vorspeise haben wir dann eine Variation von der Tageskarte bestellt und uns geteilt. Der geschäumte Ziegenkäse mit einem kleinen Salat und Schalotten in Balsamico (12,- €) hat nicht nur hervorragend geschmeckt. Auch dass die ausreichend große Portion für uns auf Nachfrage auf zwei Teller aufgeteilt wurde, hat uns sehr zugesagt.

Zum Hauptgang haben wir dann die Trüffelpasta (19,- €) und die Schweinefilets in getrüffelter Spitzmorchelsauce mit grünen Bohnen und kleinen Ofenkartoffeln (19,- €) bestellt. Beide Hauptgerichte, die etwas zu lang auf sich warten ließen, waren von den Portionen her recht reichlich, vor allem an Schweinefilet wurde nicht gespart. Geschmacklich waren beide auf sehr hohem Niveau. Die Trüffelpasta hat durch milde Würze überzeugen können und die Nudeln waren perfekt “al dente”. Darüber hinaus hat die Sauce schon sehr “trüffelig” geschmeckt, sodass die optisch hervorstechenden dunklen Trüffelscheibchen gar nicht so stark ins Gewicht fielen, wie eingangs vermutet. Auch die Schweinefilets waren zart rosa angebraten und in Kombination mit der Trüffelsauce sehr lecker. Die Bohnen hätten für meinen Geschmack minimal länger gekocht werden können. Ansonsten waren auch die Beilagen perfekt.

Fazit zum Test

Das Genno’s ist ein Restaurant, das man nicht nicht mögen kann: Wohnzimmer-Atmosphäre, ungespielte Gastfreundlichkeit und handwerklich einwandfreie Küche ergeben ein stimmungsvolles Gesamt-Paket und das zu angemessenen Preisen. Wer kulinarisch Hamburg Hamm bisher keine Chance gegeben hat, wird hier in jedem Fall fündig. Einziger Wermutstropfen: Wer eine Atmosphäre erleben will im Restaurant Genno’s als wäre man zu Gast bei Freunden, sollte rechtzeitig reservieren!

My location
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Wart ihr schon im Genno’s Restaurant in Hamm-Nord in Hamburg? Wir würden uns über eure Erfahrungen und Kommentare freuen!

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