Gastronomie

Restaurant “Loving Hut” St. Georg im Test: Ist Vleisch gleich Fleisch?

Loving Hut veganes Restaurant St. Georg Hamburg Test
Geschrieben von Kevin

Loving Hut St. Georg • Ferdinand-Beit-Straße 7, 20099 Hamburg (www)

Schon öfters habe ich vom veganen Restaurant “Loving Hut” gehört, das es mehrfach in Hamburg gibt. Interessanterweise handelt es sich bei “Loving Hut” um einen Kult rund um die Gründerin Ching Hai, unter deren Label weltweit 2015 schon 140 Restaurants betrieben worden sind und die laut Wikipedia von ihren Anhängern “Supreme Master” genannt wird (Quelle: Wikipedia). Klingt verrückt? Ja, ein bisschen! Ich beschäftige mich daher weiter unten noch einmal etwas näher mit diesem kursierenden Sektenthema, bevor es an die Bewertung der Location und des Essens des Restaurants in St. Georg geht. Danach geht’s dann zur Beantwortung der Frage: Ist Vleisch gleich Fleisch?

Hintergrund: Was ist “Loving Hut”?

Ist “Loving Hut” nun eine Sekte? Das Wort ist ziemlich negativ konnotiert und ich kann euch gleich beruhigen. Mit dem Essen bekommt ihr nicht gleich ein Eintrittsformular für einen Veganismus-Kult, der eine dubiose Anführerin anbetet, euch abhängig macht (und womöglich im Keller doch schwarze Messen abhält… ? ;)). Hätte ich die Story vorher nicht gekannt, wäre mir gar nicht aufgefallen, dass im Restaurant der chinesische  Fernsehsender “Supreme Master TV” (ohne Ton) permanent läuft. Stört nicht weiter. Darüber hinaus habe ich bisher auch nur positiven Input gelesen. Auf der Homepage heißt es direkt:

Loving Hut wurde mit der Vision gegründet, dass alle Lebewesen in Frieden, Liebe und Harmonie miteinander und mit dem Planeten leben können. Um dies zu unterstützen, verzichtet unser Restaurant zu 100% auf tierische Produkte, sowie auf Glutamat.

Dagegen kann man ja wenig einwenden. Ich kann mir sogar vorstellen, dass das Loving Hut sich einfach zu einer Art Kult/Sekte/was auch immer entwickelt hat, weil die Ideen der Begründerin der Bewegung früher so verrückt wirkten (selbst die Website gibt es seit fast zehn Jahren). Heute ist die ganze Idee sicher Standard. Dass es aus Gesichtspunkten des Tierleids, des Klimas, der Ökologie, ja sogar der Gesundheit sinnvoll ist, sich vegan zu ernähren, mag heute fast schon als Allgemeinwissen gelten. Als “Loving Hut” gegründet worden ist (2008), sah das noch ganz anders aus. Einen sehr differenzierten Bericht zum Thema findet ihr auf vegantine.net – dort zieht die Autorin ein ähnliches Fazit wie ich:

Ich würde daher […] darauf tippen, dass die Anhänger von Ching Hai eher eine alternative Gruppierung sind, die in ihrer „Lehre“ etwas zwischen Christentum und Buddhismus finden. Vermutlich ist das Wort „ gefährliche Sekte“ in Bezug auf Ching Hai etwas dick aufgetragen, es handelt sich eher um einen „Lifestyle“ der irgendwo neben Yoga, Meditation und alternativer Lebensweise angesiedelt werden kann. (Quelle: vegantine.net)

Location

Die Location ist nicht das Highlight des Loving Hut St. Georg. Das Restaurant befindet sich im Souterrain und ist von außen auch denkbar unscheinbar. Nachdem ihr ein paar Treppen genommen habt, findet ihr einen sauberen, aber sehr funktional-schmucklos eingerichteten Gastraum vor mit einfachen Stühlen und Tischen. Gerade akustisch hat mich das Loving Hut nicht überzeugt. Es mag nicht so auffallen, wenn man zur “Rush-Hour” in der Mittagszeit kommt (ich war etwas später da), aber wenn nur wenige Gäste im Restaurant sind, ist das ganze Lokal sehr hellhörig. Das liegt wohl daran, dass es vor Ort vorwiegend harte Flächen gibt (keine Teppiche, Tischdecken o. ä.). Allzu private Gespräche sollte man also nicht führen.

Service

Servicetechnisch gibt es gar nicht so viel zu sagen. Da ich zur Mittagszeit vor Ort war, war nicht viel los und der junge Servicemitarbeiter hatte wenig zu tun. Ich habe kurz nur kurz meine Bestellung aufgegeben, die mir sehr schnell gebracht worden ist. Auch die Bezahlung am Tresen ging schnell und unkompliziert.

Essen & Getränke

Ins Restaurant Loving Hut gehe ich natürlich, weil ich gehört habe, dass die veganen Gerichte so gut sein sollen. Hier gibt es eine rein vegane Karte, bei der zum Mittag alle Gerichte 7,90 € kosten. Zum Gericht gibt es wahlweise eine Vorsuppe oder Frühlingsrollen kostenlos dazu. Ich habe mich aufgrund des kalten Wetters für die Suppe entschieden und war schon positiv überrascht: Die Vorsuppe war keine 0185-Suppe, wie sie in jedem China-Restaurant serviert wird, sondern hatte ein tolles, intensiv-würziges Tomatenaroma mit einer angenehmen Schärfe. Die Suppe enthielt auch schon eine winzige “Vleischeinlage” – das ist übrigens kein Schreibfehler, sondern “Vleisch” heißt beim Loving Hut der Fleischersatz auf Basis von Soja.

Es folgte das Hauptgericht. Hier habe ich die Nr. 7 der Karte gewählt, den “Happy Grillspieß”. Einen Spieß bekam ich zwar nicht auf den Teller, dafür aber die Einzelbestandteile des Spießes: Ananas, Zucchini und Vleisch. Kombiniert wurde das ganze mit einer Erdnusssauce und Reis. Zunächst muss ich sagen, dass mir das Gericht (vor allem nach der intensiven Suppe) etwas zu fad war – erst mit Salz und Sojasauce konnte die Würze überzeugen. Ich muss aber sagen, dass ich wirklich sehr überrascht und angetan war vom 100% veganen “Vleisch”: Die Fleischsimulation gelingt nahezu perfekt! Das “Vleisch” sieht aus wie Fleisch, es riecht so und schmeckt so. Nur ist es etwas weicher. Selbst beim Schneiden wirkt das Ganze faserig wie echtes Fleisch, Wahnsinn! Auch der Rest des Gerichts schmeckt mir wunderbar. Die Kombination an sich ist zwar sehr einfach, aber süße Ananas, Vleisch und Zucchini schmecken in Kombination einfach gut.

Als Nachspeise habe ich mir noch ein veganes Schokoladen-Eis mit veganer Sahne für 1,50 € gegönnt. Grundsolide und mir wäre es nicht aufgefallen, dass die tierischen Zutaten fehlen. Als Getränk hatte ich übrigens den laut der ausliegenden Karte neuen “White Fever” (frische Minze, Holundersirup, Soda, Eis) für 3,50 €. Auch das Getränk hat mir wunderbar zugesagt – frisch, fruchtig, minzig.

Fazit zum Test

Das “Loving Hut” in St. Georg gefällt mir trotz des sehr einfachen und funktionalen Bistro-Ambientes sehr gut. Vorsuppe und Nachspeise konnten überzeugen. Aber vor allem das “Vleisch” (veganes Fleisch) auf Soja-Basis hat mir sehr gut gefallen, weil es in jeder Hinsicht wirklich erschreckend nah am Original war. Da das Ganze auch noch sehr günstig ist und Teil einer (zumindest soweit ich das beurteilen können) unterstützenswerten Grundidee, kann ich hier nur eine Empfehlung aussprechen!

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Wart ihr schon im Loving Hut in Hamburg St. Georg? Wir würden uns über eure Erfahrungen und Kommentare freuen!

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