Restaurant Test

Crossover-Küche: Restaurant Neni (25hours Hotel) Hafencity im Test

NENI • Osakaallee 12 (25hours Hotel Altes Hafenamt) 20457 Hamburg (www und zum Gesamtauftritt www)

Eine ganze Weile ist es her, dass ich mal richtig schick essen war und nun war es wieder so weit. In der stürmischen und kalten Hafencity sind wir ins Restaurant Neni eingekehrt, das sich dort im 25hours (4 Sterne) Hotel Altes Hafenamt befindet. Wie alle deutschen Nenis (derzeit Hamburg, Berlin, Köln und München) wird das Restaurant ausweislich der jeweiligen Homepages von der 25hours Hotel Company GmbH betrieben, wobei das Neni als Marke (s. o. zum Gesamtauftritt im Netz) voll und ganz auf ein Image als Familienunternehmen setzt. Ob dieser Spagat zwischen relativ schnellem Aufbau einer internationalen Marke (das Neni ist sechs Jahre alt) und “Familienunternehmensgefühl” funktioniert, lest ihr bei uns – und natürlich, wie es uns geschmeckt hat!

Location

Das alte Hafenamt an sich ist eine optisch Wucht und ich kann mir wirklich gut vorstellen, im Sommer auf der dazugehörigen Terrasse draußen zu sitzen. In der winterlichen Hafencity-Kälte bei eisigem Wind und Dunkelheit war das leider keine Option. Auffällig: Beim Neni – so auch beim Neni Hamburg – ist immer eine Bar direkt nebenan. Stilsicher findet die Restaurant-Bar-Symbiose in Hamburg mit der Boilerman Bar statt, die wir schon mal hier vorgestellt haben (Bericht zur: Boilerman Bar Eppendorfer Weg). D. h. man kann sich nach dem Essen noch einen Location-Wechsel vollziehen und sich einen guten Drink  genehmigen.

Das Neni innen ist bis ins letzte Detail aufgestylt, fast wie eine Kulisse für Instagram-Sternchen (inkl. der obligatorischen Backsteinwände) – und das zieht sich vom Eingangsbereich bis zu den wirklich schönen Toiletten durch. Chapeau! An den Metalltischen saßen wir zu viert sehr bequem und ich muss auch sagen, dass ich – entgegen einiger Bewertungen, die ich gelesen habe – die Plätze nicht zu eng gedrängt finde. Ich habe jedenfalls nicht das Gefühl gehabt, an Gesprächen am Nachbartisch teilzunehmen. Das Publikum ist überwiegend sportlich bis schick unterwegs gewesen und grob geschätzt überwiegend Ende 20 bis 50 Jahre alt.

Service

Der Service war bei unserem Besuch durchgehend aufmerksam und freundlich, für die doch gehobenen Preise des Neni aber dann nicht so perfekt wie erwartet. Gerade zu Beginn des Abends wurden wir freundlich und zuvorkommend empfangen und zum Tisch geführt. Die Wasser-Flatrate (für 4,- € pro Person) – die ich übrigens für eine sehr gute Idee halte – wurde ernst genommen und es wurde uns ohne Nachfrage Wasser nachgefüllt.

In Richtung Feierabend (etwa zwischen 22 und 23 Uhr) hatten wir das Gefühl, die Stimmung beim Service verschlechterte sich. Das Wasser wurde nicht mehr nachgefüllt, obwohl wir die leeren Flaschen gut sichtbar ans Tischende gestellt hatten. Als wir zum Schluss dann gefragt hatten, ob wir einen Drink aus der benachbarten, aber leider überfüllten Boilerman Bar bestellen können, war die Genervtheit unserer Bedienung spürbar. Da uns die Frage nach dem Highball of the Day leider nicht beantwortet werden konnte, bestellten wir diesen etwas leichtsinnig blind, was leider in die Hose ging. Der reichlich starke und bittere Highball (mit viel Rum und Gin) traf leider – obwohl ich allgemein die Highballs der Boilerman Bar schätze – gar nicht unseren Geschmack, sodass ich ihn am Ende sogar halb ausgetrunken stehen ließ. Pech gehabt!

Dem eigenen Anspruch ist das Neni damit in Sachen Service nicht ganz gerecht geworden. Auf der Homepage heißt es: “Bei NENI zu essen heißt, sich als Familienmitglied willkommen zu fühlen. Herzlicher Service und authentischer, zwischenmenschlicher Umgang gehören dabei einfach dazu.” Das hat leider nicht hingehauen, obwohl wir den ganzen Abend über wirklich pflegeleichte Gäste waren und keine besonderen Extrawünsche hatten.

Essen & Getränke

Hinsichtlich der Speisen ist das Neni auf israelische Küche spezialisiert, wobei es sich nach meinem Eindruck eher um moderne Crossover-Interpretation handelt. Auf der Homepage wird die Küche beschrieben als “kosmopolitisches Soul Food” und “eklektische, ostmediterrane Küche”, was viel Interpretationsspielraum belässt. So offen wie das Konzept formuliert, ist, so abwechslungsreich ist die Karte, wobei die israelischen Einflüsse doch meines Erachtens überwiegen. Die übersichtliche Karte bietet ganz typische Vorspeisen, wie z. B. einen Hummus-Teller oder Falafel, daneben gibt es aber auch Süßkartoffeln aus dem Ofen oder knusprige Makrelen Filets. Preislich liegen die Vorspeisen bei 6,50 € bis 9,50 €, man kann aber auch drei Vorspeisen nach Wahl für 18,- € nehmen. Die zwölf verschiedenen Hauptspeisen, die wiederum sehr unterschiedlich sind, liegen bei 14,50 € (“Sabich”) bis 29,- € (“Slow-cooked Short Ribs”). Die Dessert-Karte bietet “nur” vier Desserts, wobei drei davon sehr speziell sind (“Sesam”, “Mahalabi” und “Knafeh” – dazu im Einzelnen später) und einer ein echter Dessert-Klassiker, nämlich New York Cheese Cake. Die Nachspeisen liegen zwischen 7-8,- €, wobei auch hier wieder ein Angebot für drei Nachspeisen für 18,- € bereitsteht, ganz ähnlich wie bei Vorspeisen.

Nachdem wir uns im Neni in der Hafencity für unsere Gerichte entschieden hatten, gab es als kleinen Gruß aus der Küche vorweg sehr leckeres, rustikales Brot mit ein paar gewürzten Oliven und Dip. Als Hauptgerichte hatten wir den Ellior’s Pulled Beef Sandwich (19,50 €), einen Neni Style Kebap (15,50 €) und die Spicy karamellisierten Auberginen (14,50 €). Dazu haben wir eine Flasche Weißburgunder bestellt (29,- €), der – das kann ich schon vorweg sagen – allen sehr gut geschmeckt hat.

Enttäuschend war leider das Neni-Style Kebap. Für immerhin 15,50 € hatten wir dann doch mehr als vier Köfte, eine Chilischote, eine halbe Tomate und eine geviertelte Zwiebel auf dem Teller (“gegrilltes Gemüse”) erwartet. Das reißt auch das dazugereichte Pita-Brot nicht raus. Dieses sehr einfach angerichtete und doch nicht ganz harmonische Gericht ist für den Preis einfach nicht angemessen. Und um geviertelte Zwiebeln pur zu essen, muss man schon wirklicher Zwiebel-Fan sein… .

Der Pulled Beef Burger konnte hingegen voll überzeugen. Mit zartem, dezent gewürztem Fleisch, knusprigen Süßkartoffel Pommes und einem speziellen, aber sehr leckeren Mango Aioli war das eine Runde Sache. Auch die Portion passte genau, auch wenn insgesamt der Preis von 19,50 € sich zugegebenermaßen schon als am oberen Limit dessen befindet, was ich für ein solches Essen bereit bin zu zahlen, denn im Grunde ist das Gericht auch “nur” ein Burger mit Pommes. Auch die Spicy karamellisierten Auberginen waren sehr lecker und speziell gewürzt.

Bei den Nachspeisen haben wir uns an das Angebot für 18,- € gewagt und den “schnöden” New York Cheese Cake ausgespart. Stattdessen gab es die bereits oben erwähnten Nachspeisen “Sesam”, “Mahalabi” und “Knafeh”, die optisch ansprechend in einer Etagere serviert worden sind. Gut gefallen haben uns alle Nachspeisen, wirkliche Aha-Momente sind aber ausgeblieben. Beim servierten Kadayif, einem Gebäck mit Mozzarella Ricotta-Füllung, das mit Teigfäden umsponnen ist, waren die etwas trockenen Teigfäden einfach zu dominant. Zum Mahalabi (einer orientalischen Panna Cotta) wurde Koriander-Popcorn serviert, was für mein kleines Mitteleuropäer Herz dann doch zu viel des Crossovers war. Das zum Kadayif servierte hausgemachte Joghurt-Eis hingegen zerging auf der Zunge und war sehr lecker.

Fazit zum Test

Das Neni bietet eine wunderbar-stylishe Location in bester Lage in der Hamburger Hafencity, kann aber nach meinem Eindruck dem Anspruch, eine Atmosphäre wie “zu Gast bei Freunden” zu schaffen, nach meiner Erfahrung nicht ganz gerecht werden. Ob es daran liegt, dass das Neni mit acht Restaurants (und zwei weiteren geplanten) in Europa dann doch nicht so persönlich ist, wie es auf den ersten Blick scheint? Auch die kulinarische Erfahrung war angesichts der doch hohen Preisen nicht ganz rund. In Anbetracht der tollen Location, einer sinnvollen Wasser-Flatrate und der gelungenen Restaurant-Bar-Symbiose kann ich dennoch eine Empfehlung aussprechen, wenn man einen gemütlichen Abend in der Hamburger Hafencity verbringen möchte.

My location
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Wart ihr schon im Neni in der Hamburger City? Wir würden uns über eure Erfahrungen und Kommentare freuen!

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